• ➡ Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten der Kinder

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben
       
        Was erwartet Sie in diesem Kapitel? 

      Bei dem Stichwort Demokratiebildung denken die meisten pädagogischen Fachkräfte als erstes an Partizipationsmöglichkeiten. Denn wie Kinder ihren Alltag durch Beteiligungs-, Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten mitgestalten können, wird ja bereits verstärkt seit der 🔗Übereinkunft über die Kinderrechte vor über 30 Jahren in den Fokus genommen und ist zwischenzeitlich auch in den 🔗rechtlichen und curricularen Grundlagen für Kitas verankert worden.

      In den vergangenen Jahren konnten hierzu viele neue Erkenntnisse, Anregungen und Good Practice Beispiele gesammelt werden. Daher wird auch dieser Teilbereich von Demokratiebildung in diesem Kurs hier mit einem praxisorientierten Blick unter die Lupe genommen.

       

      In diesem Abschnitt wird nach einer kurzen Zeitreise zunächst das Thema demokratische Alltagskultur und Formate aufgegriffen, um daraufhin die Bedürfnisse, Beschwerden und Konfliktlösung in den Blick zu nehmen. Anschließend wird die Rolle der Fachkraft bei Mitbestimmungs- und Beschwerdeprozessen näher beleuchtet sowie das Thema Kita-Verfassung erläutert.

        Geschätzte Bearbeitungszeit für dieses Kapitel: 1,5 - 2 h

      •   Eine kurze Zeitreise 

        Schon vor mehr als zehn Jahren hat Rüdiger Hansen (Mitbegründer des Konzepts "Die Kinderstube der Demokratie") in einem Interview im Rahmen eines IFP-Fachkongresses berichtet, woran er Kindertageseinrichtungen erkennt, in denen Partizipation als Grundprinzip gelebt wird: 

        Haben Sie das ein oder andere aus Ihrer Kita wiedererkannt? Wie haben Sie das Thema Partizipation in der Vergangenheit erlebt? War es bereits Thema in Ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung? Lassen Sie gerne kurz Ihre Gedanken schweifen und reflektieren Sie Ihre eigenen Berührungspunkte und Erfahrungen mit dem Thema Partizipation in der Kita, bevor Sie gleich inhaltlich in das Thema einsteigen werden. 

      •  Demokratische Alltagskultur & Formate

        Beobachtet man Kinder in Spielsituationen, dann lassen sich bei den Interaktionen zwischen den Kindern ganz viele Aushandlungsprozesse erkennen. Sie möchten Entscheidungen treffen, gemeinsame Lösungen finden und sind in den meisten Fällen auch fähig dazu. Diese partizipativen Kompetenzen können Kinder auch im restlichen pädagogischen Alltag nutzen und weiterausprägen, wenn ihnen die Fähigkeit dazu von den pädagogischen Fachkräften zugestanden wird. 

        Zitat in Sprechblase mit der Kernbotschaft Partizipation als Entlastung für Fachkräfte

        🔗Prof. Dr. Neumann im Interview zum Projekt PINKS - Partizipation in der frühesten Kindheit

         

      • Aber was heißt das genau für den pädagogischen Alltag? Wie kann der der partizipative Ansatz umgesetzt werden? 

        Dazu muss zunächst einmal unterschieden werden, ob es sich bei den Partizipationsmöglichkeiten um eine offene, eine projektbezogene oder eine strukturelle Form handelt. Während eine offene Form der Partizipation im alltäglichen Miteinander, also in der Alltagskultur gelebt wird, gibt es für projektbezogene oder strukturelle Formen der Partizipation in der Regel bestimmte vordefinierte Formate. 

        Es muss zwischen diesen Ansätzen der Partizipationsmöglichkeiten unterschieden werden, da sie unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen. 

        ↪ Tipp zur Vertiefung: IFP Online-Kurs "Schritte zum Partizipations(h)ort"

        Startseite des Onlinekurses

        Denn manchen Beschwerden bzw. Bedürfnissen muss gleich in der Situation nachgegangen werden, beispielsweise in Form der Konfliktlösung. Andere Beschwerden können wiederum gesammelt und zu einem anderen Zeitpunkt besprochen werden. Das kann auch der Fall sein, wenn eine pädagogische Fachkraft merkt, dass ein Thema immer wieder zu Konfliktsituationen im Alltag führt und es sinnvoll ist, hierfür eine zentrale Lösung zu finden, anstatt das Thema regelmäßig im Alltag erneut auszuhandeln.

        Bevor Sie ein paar Anregungen zur Alltagskultur und zu Formaten mit partizipativer und damit auch demokratischer Ausrichtung erhalten, möchten wir Sie zunächst dazu einladen, Ihre pädagogische Praxis im Hinblick auf die bestehenden Partizipationsmöglichkeiten zu reflektieren.

      • Selbstreflexion

        Wenn Sie an Ihren Kita-Alltag denken, welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Umgang von Beschwerden gemacht?

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch. Notizblock und Stift

         

        💭 Wie wird damit umgegangen, wenn Kinder eine Beschwerde äußern oder unterschiedliche Bedürfnisse/Wünsche zu einem Konflikt führen? 

        💭 Welche Anliegen werden gleich geklärt und welche später? 

        💭 Gibt es Formate, um (wiederkehrende) Beschwerden oder Anliegen ausführlich zu besprechen und einen Kompromiss zu finden, den alle im Alltag mittragen können? Wenn ja, welche haben und nutzen Sie?

        Nachdem Sie nun beleuchtet haben, wie Sie Ihre Alltagskultur aktuell wahrnehmen und welche Formate bei Ihnen bereits zum Einsatz kommen, möchten wir Ihnen nachfolgend noch ein paar neue Impulse für Ihre Arbeit anbieten. 

      • Hier erfahren Sie, was unter demokratischer Alltagskultur und demokratischen Formaten verstanden werden kann. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.

      • Good Practice Beispiel: Beteiligung durch Gesprächsrunden
        Ein Musterbeispiel einer Beschwerdewand, wie sie im Text beschrieben wird

        Eine Beschwerde wird in Form eines Fotos, auf dem der Gegenstand der Beschwerde zu sehen ist, auf einer Beschwerdewand veröffentlicht. Es wird ein Termin festgesetzt, an dem das Thema besprochen wird und die Kinder, die bei dem Thema gerne mitbestimmen möchten, teilen sich mit Ihrem Foto zu. 

        Die Themen solcher Beschwerden können z.B. , wie hier exemplarisch dargesetellt, das Spielmaterial für den Sandkasten betreffen oder aber auch die Fahrzeugnutzung im Garten sowie die Hilfe auf der Toilette usw. 

        In der Gesprächsrunde sammeln die Kinder Ideen zur Lösung des Problems. Die pädagogische Fachkraft moderiert das Gespräch. 

        Die Erwachsenen prüfen die Ideen, z.B. daraufhin ob genug Budget dafür da ist und führen eine Machbarkeits- und Risikobewertung durch. Wichtig ist hierbei, dass die Lösung zu den Kindern passen und nicht von den Erwachsenen manipuliert werden sollte. 

        Von den Ideen, die übrig bleiben, wählen die Kinder eine aus, die getestet wird. Falls diese Lösung im Alltag doch nicht so gut funktioniert, kann eine neue Alternative ausgewählt oder gesucht werden.

        Ein wichtiger Aspekt in diesem Verfahren ist die Transparenz. Durch die Beschwerdewand kann der Bearbeitungsstand sichtbar gemacht werden. Zusätzlich dazu können die pädagogischen Fachkräfte in einem separaten Beschwerdebuch noch weitere Details zu dieser Beschwerde notieren, wie beispielsweise die einzelnen Ideen und ihre Gedanken dazu. Dieses Buch kann beispielsweise im Büro aufbewahrt werden.

        Das Beispiel stammt aus dem Artikel "Wählen. Von Anfang an" in der Zeitschrift betrifft Kinder 07-08 I 2024. 

      •   Bedürfnisse, Beschwerden & Konfliktlösung

        Beschwerden hängen eng mit Bedürfnissen und Konflikten zusammen. Meistens werden Beschwerden dadurch ausgelöst, dass die Bedürfnisse einer Person nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden. Das kann die eigenen Grenzen betreffen, die übertreten werden oder beispielsweise auch das Empfinden von unfairer Behandlung. Bei Zusammentreffen von zwei sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen kann so auch schnell einmal ein Konflikt entstehen. Aus diesem Grund lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen, wie Beschwerden eingeordnet werden können. 

        Hier erfahren Sie, was unter Beschwerden verstanden werden kann, die von Kindern in der Kita geäußert werden. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.

      • Selbstreflexion

        Denken Sie einmal an Ihren Kita-Alltag. Fallen Ihnen aus den letzten Wochen Situationen ein, in denen Ihnen Beschwerden von Kindern begegnet sind, die nicht ganz eindeutig mit Worten geäußert wurden? Nutzen Sie diese Eindrücke, um den Umgang mit Beschwerden im Alltag einmal zu reflektieren. 

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch.

        Notizblock und Stift

         

        💭 Welche nonverbalen (nicht sprachlich geäußerten) Beschwerden haben Sie bei den Kindern in Ihrer Einrichtung schon wahrgenommen? 

        💭 Haben Sie eine Vermutung, welche Bedürfnisse dahintergesteckt haben?

        💭 Wie haben Sie den Kindern dabei geholfen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Beschwerden auch für andere sichtbarer und nachvollziehbar zu machen?

        Diese Situationen passieren im Kita-Alltag oft ganz beiläufig und manchmal hat man das Gefühl, dass es gerade nicht möglich ist, sich ganz individuell den Kindern zu widmen. Jedes Kind hat ganz individuelle Bedürfnisse, aber Sie betreuen die Kinder in einer Gruppe. 

        Nicht selten können sich ohne die Begleitung und Auseinandersetzung mit den negativen Gefühlen der Kinder jedoch auch Konflikte anbahnen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen pädagogische Fachkräfte aufmerksam und aktiv werden.

        Auch hier können wir die Reflexion mit dem🔗PQB-Qualitätskompass anregen. Darin werden sogenannte „Merkmale“ aufgezeigt, mithilfe derer Sie Ihre pädagogische Praxis analysieren und reflektieren können. Auch für den Bereich Kultur der Konfliktlösung möchten wir Sie auf die Merkmale hinweisen, die dazu beitragen, dass positive Beziehungen mit und unter den Kindern so unterstützt werden, dass die Bedürfnisse der Kinder beantwortet werden und dass auch in herausfordernden Situationen positive Interaktionen sowie ein wertschätzender Umgang möglich sind.

         

        Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

        💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?

      • Aus den Merkmalen des PQB-Qualitätskompasses können sechs Schritte abgeleitet werden, die im Rahmen des Konfliktmanagements in der Kita angewendet werden können. Haben Sie eine Idee, in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte am besten erfolgen sollten? 

         

      •  Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte

        Pädagogische Fachkräfte sind wichtige Begleitpersonen für Kinder. Ihnen können viele Rollen zugeschrieben werden. Mit welchen Rollen identifizieren Sie sich am meisten?

        Synonyme für pädagogische Fachkraft

        Wichtig ist, dass Sie sich darüber im Klaren sind, dass Sie als pädagogische Fachkraft grundsätzlich immer Ermöglicherinnen und Ermöglicher sind. Durch Ihre Machtposition als erwachsene Person sind Sie am "längeren Hebel". Allzu leicht macht man von dieser Position Gebrauch, um seine Interessen durchzusetzen. Aber sind das auch die Interessen der Gruppe? Sind meine Grenzen und Interessen wichtiger als die Grenzen und Interessen der Kinder? Fragen Sie sich doch einmal, wie Sie die Grenzen und Interessen von Erwachsenen respektieren und berücksichtigen. Deckt sich das damit, wie Sie mit den Grenzen und Interessen der Kinder umgehen? Und wenn nicht, was hindert Sie daran? Denn was lernen Kinder von uns, wenn sie nicht ernstgenommen werden? Sie spielen eine entscheidende Rolle darin, dass Kinder sich als selbstwirksame Person erleben und lernen, dass Grenzen anderer Personen respektiert werden sollten.  

        Im nachfolgenden Film zum Thema Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita erfahren Sie einiges über die Rolle der pädagogischen Fachkräfte bei der Gestaltung von partizipativen Strukturen: 

      •  

      • Der Film macht Lust, den Kindern mehr Raum für Partizipation zu geben. Gleichzeitig wirft er sicherlich auch ein paar Fragen auf. Wie würden Sie die Themen einschätzen, die im Film angesprochen wurden? Nutzen Sie die nachfolgenden Fragenkarteikärtchen:

      • Sich selbst und die eigene Rolle als pädagogische Fachkraft zu reflektieren ist ein Kernelement im Hinblick auf die Umsetzung von Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten. Auch hierfür können Sie den 🔗PQB-Qualitätskompass heranziehen. Er dient sowohl für die Kita als auch für die Kindertagespflege als Beobachtungs- und Reflexionsinstrument.

         

        Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

        💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?

      • Good Practice Beispiel: Demokratiewagen

        Bild des Demokratiewagens

        Eine Kindertageseinrichtung der Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH stattete zunächst einen Raum mit Materialien aus, die für Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder genutzt werden sollten. Im Kita-Alltag stellte sich heraus, dass es schwierig war, den Raum in die täglichen Abläufe einzubinden. 

        Aus diesem Grund musste eine andere Lösung her: Ein mobiler Demokratiewagen. Der Wagen kann an den Ort gebracht werden, an dem er gerade benötigt wird und es können genau die Materialien verwendet werden, die für den jeweiligen demokratischen Prozess sinnvoll sind. Für Ja/Nein-Abstimmungen gibt es beispielsweise Spatel in den Farben Grün und Rot. Für Mehrheitsabstimmungen eine Wage mit Gläsern und Muggelsteinen. Für wieder andere Abstimmungen können Punkte geklebt werden und auch eine Wahlurne ist Teil des Materialsets. 

        Die pädagogischen Fachkräfte achten dabei besonders darauf, dass Kinder andere Darstellungsformen als die Schrift benötigen, um Ideen festzuhalten und Vorschläge zu dokumentieren. Daher werden neben der Nutzung von Zeichnungen und Fotografien auch elektronische Hilfsmittel eingesetzt, wie beispielsweise kindgerechte besprechbare Geräte, die mit einer Klammerhalterung an den Wagen befestigt werden können oder "sprechende Stifte". Es ist den pädagogischen Fachkräften, die sich selbst als Ermöglicherinnen und Ermöglicher betrachten, ein Anliegen, durch diese an die Kompetenzen der Kinder angepassten Methoden das Empfinden von Selbstwirksamkeit bei den Kindern zu stärken. 

        Ein wesentliches Element des Demokratiewagens ist auch die Dokumentation. Jedes Wahl- und Abstimmungsergebnis wird in Ordnern dokumentiert, die Bestandteil des Wagens sind. So ist für alle auch später noch transparent, wie der jeweilige demokratische Prozess ausgegangen ist. 

        Die rechts abgebildete Vorlage, über die Kinder ihre Idee mit Text, Zeichnung, Skizze oder Fotografie zu Blatt bringen können, können Sie hier als Worddokument herunterladen. 

        Vorlage zum Vorstellen einer Idee

        (c) Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH 

      •   Sinn und Zweck einer Kita-Verfassung 

        Eine eigene Verfassung für die Kita? Aber ja! In Deutschland bildet das Grundgesetz unsere Verfassung ab. Der Wortlaut des ein oder anderen Artikels wird Ihnen sicher bekannt vorkommen: 

        "Die Würde des Menschen ist unantastbar" Artikel 1

        "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt [...]" Artikel 2

        "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern [...]" Artikel 5

        Und wie ist das in der Kita? Welche Rechte haben die Kinder und wie legen die pädagogischen Fachkräfte diese aus? Wie stellen Sie sicher, dass in einem Team nach denselben Regeln gehandelt wird? Häufig treffen pädagogische Fachkräfte Entscheidungen "aus dem Bauch heraus". Das kann bedeuten, dass die Entscheidung an einem anderen Tag oder von einer anderen Fachkraft anders ausfällt. Die Abweichung und Unverlässlichkeit kann bei den Kindern und im Team zu Unmut führen. 

        Damit in einer Kita nach einem gemeinsamen Regelkodex gehandelt wird, ist es sinnvoll, sich im Team und im Idealfall auch mit den Kindern über Schlüsselsituationen auszutauschen und eine gemeinsame Vorgehensweise festzulegen. Dies beinhaltet im ersten Schritt, sich darauf zu einigen, worüber Kinder selbst entscheiden können und wo die Mitbestimmungsmöglichkeit an die Grenzen gerät. 

         

        Eine solche gemeinsame Übereinkunft kann als Kita-Verfassung bezeichnet werden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass alle mit der Vorgehensweise einverstanden sind und diese im pädagogischen Alltag umsetzen möchten. Dazu gehört auch, den Kindern zu vermitteln (z.B. über Symbole, Plakate, Kinderbilder, Fotos und mündliche Erklärung), welche gemeinsamen Regeln ausgehandelt wurden. 

        Diese Vorgehensweise klingt sehr vielversprechend, aber auch aufwändig. Bedenken Sie jedoch: Auch unser Grundgesetz wurde nicht an einem Tag geschrieben! Haben Sie Mut, sich mit Ihrem Team an das Thema heranzuwagen. Dazu können Sie zunächst ja auch erst einmal eine Schlüsselsituation heranziehen, bei der es zu den meisten Reibereien kommt.

        Testen Sie, ob Sie bei einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Themenbereich eine gemeinsame Lösung finden und ob das neue Vorgehen Sie im Alltag entlastet. Ein Erfolgserlebnis gibt Ihnen sicherlich die Energie, an diesem Prozess dranzubleiben, um auch weitere Schlüsselsituationen auszuarbeiten. 
      • Good Practice Beispiel: Wer entscheidet was rund um den Toilettengang?

        Immer wieder treten Fragen rund um den Toilettengang auf, bei denen es ohne gemeinsame Abstimmung im Team häufig von der einzelnen pädagogischen Fachkraft abhängt, wie dieser Entscheidungskomplex gelöst wird. Auf dem nachfolgenden Bild sieht man, wie die pädagogischen Fachkräfte eines Kita-Teams mehrere dieser Entscheidungskomplexe zum Thema Toilettengang gesammelt und festgelegt haben, ob die Fachkraft, das Kind oder beide zusammen darüber entscheiden. Darüber hinaus wurden Ausnahmen bzw. Konkretisierungen vorgenommen und am Schluss mit einer Abstimmung überprüft, ob alle mit dem Ergebnis einverstanden sind und dieses so im Alltag mittragen können.

        In diesem Fall haben sich die pädagogischen Fachkräfte ohne die Kinder mit der Entscheidungsfindung auseinandergesetzt. Wenn die Kinder nicht aktiv in diesen Prozess eingebunden werden, da möglicherweise wie in diesem Fall intime Themen mit Fallbeispielen besprochen werden, kann stattdessen das Ergebnis den Kindern beispielsweise in einer Versammlung wie einer Kinderkonferenz vorgestellt werden. So wird den Kindern das Vorgehen transparent gemacht und zudem können die Kinder Feedback aus ihrer Perspektive einbringen, falls das Vorgehen für sie nicht stimmig ist.

        Flipchartseite mit der Festlegung, wer bei welchen Entscheidungskomplexen entscheidet und Anmerkungen hierzu.

        Das Foto zeigt das Ergebnis eines Reflexionsprozesses einer bayerischen Kita, in der die Partizipation als durchgängiges Prinzip gelebt wird. 

      • In diesem Kapitel haben Sie zunächst eine kleine Zeitreise unternommen, sich damit beschäftigt, dass zwischen einer demokratischen Alltagskultur und demokratischen Formaten unterschieden werden kann und damit auseinandergesetzt, wie Kinder Bedürfnisse und Beschwerden äußern. Wie unbefriedigte Bedürfnisse zu Konflikten führen können, aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, Konflikten zu begegnen. Sie haben Einblicke erhalten um Ihre Rolle als pädagogische Fachkraft zu analysieren.  Zu guter Letzt haben Sie erfahren, was es mit einer Kita-Verfassung auf sich hat und welcher Nutzen dahintersteckt.

        Nutzen Sie das Ende dieses Kapitels, um zu reflektieren, welche "Aha!-Momente" Sie hatten. Nutzen Sie dazu die Fragen zur Selbstreflexion im nächsten Abschnitt:

         

      • Selbstreflexion

        Nachdem Sie in diesem Kapitel bereits zweimal reflektiert haben, wie Sie die hier besprochenen Themen in Ihrem Kita-Alltag wahrnehmen, soll an dieser Stelle der Blick in Ihre zukünftige Arbeit gerichtet werden. 

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

         

        💭 Wenn Sie beispielsweise von Eltern gefragt werden würden, wie Sie Partizipation ermöglichen, was würden Sie in drei Sätzen antworten? 

        💭 Wenn Sie an Ihre bisherigen Ansätze zur Konfliktlösung, Bedürfnisorientierung und Beteiligung denken, was würden Sie in Ihrer pädagogischen Praxis gerne ändern? Welche Ansätze, die Sie kennengelernt haben, möchten Sie dazu gerne ausprobieren? 

        💭 Bei welchen Änderungswünschen benötigen Sie für die Umsetzung Ihre Leitung bzw. Ihre Kolleginnen und Kollegen? Wie können Sie dieses Thema einbringen?

      • Nun haben Sie das dritte Kernkapitel zum Thema Demokratiebildung in der Kita erfolgreich durchgearbeitet. Der nächste Schritt ist jetzt Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten praktisch im Kita-Alltag zu ermöglichen.

        Haben Sie Mut, sich darauf einzulassen, Kinder häufiger nach Ihrer Meinung zu fragen und mit Ihren Kolleginnen und Kollegen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen. Nutzen Sie als Grundlage dazu gerne auch die weiterführenden Materialien.

      • Nachdem Sie nun das Kapitel "Respektvoller Umgang mit Vielfalt" bearbeitet haben, können Sie mit einem der folgenden Themenfeldern weitermachen: 

        ↪ Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken

        ↪ Respektvoller Umgang mit Vielfalt

        ↪ Politische Bildung? Auch das geht schon in der Kita!