• ➡ Politische Bildung? Auch das geht schon in der Kita!

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben
       
        Was erwartet Sie in diesem Kapitel? 

      Den Begriff politische Bildung bringen viele gleich mit Schule und Unterricht in Verbindung. Dabei betreffen uns politische Strukturen alle oft ganz unbewusst in unserem Alltag. Auch Kitas haben in der Regel ein eingespieltes System mit vorbestimmten Zuständigkeiten. Aber ist das auch für alle transparent? Hier kann die politische Bildung in der Kita ansetzen. Denn es geht darum, Unbewusstes bewusst zu machen, das Zusammenleben mit einem demokratischen Wertehorizont zu verstehen und politische Strukturen in der Lebenswelt wahrzunehmen. 

      In diesem Abschnitt werden nach einer kurzen Einordnung des Politikbegriffs drei Herangehensweisen an politische Bildung in der Kita vorgestellt. Auch in diesem Kapitel erhalten Sie einige Reflexionsfragen und Good Practice Beispiele, um sich dem Thema anzunähern.

        Geschätzte Bearbeitungszeit für dieses Kapitel: 1,5 - 2 h

      •   Politik & Pädagogik - Wie passt das zusammen?

        Beim Begriff Politik denken die meisten gleich an Debatten im Bundestag, an neue Gesetze oder Wahlen bzw. Wahlkämpfe. Das ist auch nicht verwunderlich, denn durch die Politik wird immer wieder neu ausgehandelt, wie unsere Gesellschaft organisiert ist und mit den Ergebnissen werden wir tagtäglich konfrontiert. In unserer demokratischen Staatsform kann sich dabei jede Bürgerin und jeder Bürger an den politischen Entwicklungen beteiligen und damit Einfluss auf staatliche Entscheidungen nehmen.

        Die Strukturen, die typisch sind für ein demokratisches Zusammenleben, ziehen sich durch alle Lebensbereiche und sind daher auch in Kitas zu finden. Denn auch hier gilt es, das tägliche Miteinander immer wieder neu auszuhandeln, Kompromisse zu finden und sich als Gemeinschaft zu organisieren. Es ist also eigentlich keine Frage „ob“ politische Bildung und damit auch Demokratiebildung in Kitas stattfindet, sondern viel eher die Frage „wie“. 

        Zitat DJI Demokratie muss im Alltag für alle Beteiligten erfahrbar sein

        🔗 Judith Durand & Leonhard Birnbacher (2021): Demokratiebildung in der Kita. In: DJI Impulse: Politische Bildung von Anfang an. 1/21 S.17

        Damit unsere Kinder, die Bürgerinnen und Bürger von morgen, befähigt werden, sich in demokratischen Strukturen zu bewegen und zu lernen, dass ihre Stimme zählt, brauchen Sie Lern- und Erfahrungsräume für Demokratie. Die Kita bietet dafür das ideale Umfeld, um demokratische Werte kindgerecht kennen zu lernen und zu verinnerlichen. Lassen Sie die folgende Wortwolke mal auf sich wirken: 

      • Wortwolke mit Begriffen als Beispiele für demokratische Werte in der Kita

      • Sie brauchen sich keine Sorgen darüber zu machen, dass Sie dieses Thema „auch noch zusätzlich“ in der Kita umsetzen sollen, denn sicherlich sind Ihnen viele Begriffe aus Ihrer täglichen Arbeit vertraut. Vielmehr bietet das Vorleben sowie das gemeinsame Erleben und Erfahren von demokratischen Werten und Strukturen mit den Kindern die Möglichkeit, das Miteinander so zu organisieren, dass alle Interessen bestmöglich berücksichtigt werden können und die Welt gemeinsam entdeckt werden kann.

        Wichtig ist dabei, ein bestimmtes Verhalten oder Meinungen nicht gleich als gut oder schlecht abzustempeln, sondern sich mit den Hintergründen zur Entstehung bestimmter Einstellungen auseinander zu setzen. Die pädagogische Fachkraft, als Bildungsbegleiterin kann den Kindern dabei helfen, andere Perspektiven nachzuvollziehen, um ein harmonisches Miteinander sicherzustellen. Dies ist zum Beispiel mit Fragen wie „Kann das funktionieren?“ oder „Wollen das alle?“ möglich. Dazu müssen pädagogische Fachkräfte auch selbst offen dafür sein, einen Perspektivwechsel einzunehmen und sich fragen „Was bewegt den/die anderen?“.

        Ganz grundlegend muss den Kindern das demokratische Handeln auch zugetraut werden. Mit einem stärkenorientierten Blick werden Sie sehen, dass Kinder den „Grundfragen der Politik“ mit Hilfe Ihrer Begleitung auch in der Kita begegnen können. Das Memory zeigt Ihnen durch Anklicken der Kachelpaare die fünf Grundbausteine der Politik:  

        In den nachfolgenden Abschnitten haben wir verschiedene Ansätze für politische Bildung in der Kita in drei Themenblöcke aufgeteilt. Der erste Themenblock setzt sich damit auseinander, wie man sich vorgegebene und oft unbewusste Strukturen bewusst machen und überdenken kann. Im zweiten Themenblock geht es darum Aspekte rund um das Zusammenleben in der Demokratie anschaulich zu machen und zu verstehen. Der dritte Themenblock gibt Anregungen dazu, die politischen Strukturen in der Lebenswelt der Kinder sichtbar zu machen und zu nutzen.

      •   In welchen (politischen) Strukturen bewege ich mich? 

        „Das ist eben so.“, „Das haben wir schon immer so gemacht.“ - Sicherlich sind Ihnen diese Sätze auch schon einmal begegnet, dabei sind diese Antworten alles andere als zufriedenstellend. Warum muss das denn so sein? Und warum wird das schon immer so gemacht? Insbesondere Kinder sind neugierig und Fragen wie diese können helfen, festgefahrene Strukturen zu überdenken. Passt das, was man schon immer so gemacht hat, denn auch noch immer zu den Kindern und pädagogischen Fachkräften, die mittlerweile in der Kita anzutreffen sind? 

        Kinder entdecken die Welt fragend. Das Hinterfragen von Strukturen bedeutet nicht unbedingt einen sofortigen Änderungswunsch, sondern das Bedürfnis, die Strukturen zu erkennen und verstehen. Kinder sind neugierig, möchten Neues lernen, aber auch Zusammenhänge finden und das geht am besten im Dialog. 

        Gerade auch unsichtbare Strukturen, wie die unserer demokratischen Lebensform, haben wir oft so verinnerlicht, dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen. Manchmal stolpern wir jedoch über Abweichungen, z.B. wenn wir eine Geschichte vorlesen, in der ein König vorkommt. Dann kann auch schon mal ein Gesprächsanlass über Unterschiede in der Organisation des Zusammenlebens (z.B. Demokratie vs. Monarchie) entstehen.

        Entscheidend ist nun, wie Sie damit umgehen. Thematisieren Sie selbst Strukturen wie z.B. Regierungsformen („Wer darf bestimmen und wie wird entschieden, wer bestimmen darf?“), Gesetze („Weshalb gibt es Regeln und wer stellt Regeln auf?“) oder Gerechtigkeit („Ist das fair?“)? Versuchen Sie das Thema z.B. durch das Vorlesen einer Geschichte bei den Kindern anzuregen? Oder warten Sie ab und beobachten Sie, bis die Kinder von sich aus Interesse an diesem Thema äußern?

        Je nachdem, welchen Ansatz Sie wählen, können Sie den Fragen der Kinder auf unterschiedliche Weise begegnen. Es gibt die Möglichkeit, konkrete Antworten zu geben oder mit den Kindern zu philosophieren. Das Philosophieren mit den Kindern hat den Vorteil, dass Sie sich extra Zeit nehmen, um mit den Kindern gemeinsam eine Antwort zu finden. So müssen Sie keine Sorge haben, dass Sie (auf die Schnelle) an Ihre (zeitliche oder Wissens-)Grenze kommen. Die Kinder hingegen lernen auf diese Weise, ihr bisheriges Wissen einzusetzen, um zu neuen Einsichten und Erkenntnissen zu kommen. 

      • Klicken Sie sich durch die Folien, um einen Einblick in das Thema Philosophieren mit Kindern zu erhalten: 

      • Philosophische Fragen im Bereich der Demokratiebildung lassen sich grob in die Fragerichtungen "Was kann ich wissen?" und "Was soll ich tun?" einordnen. Lassen Sie sich gerne von ein paar Fragen inspirieren, die wir unten bildlich in die Hände der Kinder gelegt haben. Klicken Sie auf die Fragezeichen, um zu entdecken, welche Fragen sich dahinter verbergen: 

      • Selbstreflexion

        Nicht immer stößt das Hinterfragen von (politischen) Strukturen auf Begeisterung, denn das ist auch oft mit der Sorge um einen Macht- bzw. Kontrollverlust verbunden. Jedoch widerspricht es genaugenommen dem demokratischen Wert der Transparenz und dem Bildungsgedanken, diesen Fragen einfach aus dem Weg zu gehen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, seinen eigenen Umgang mit Fragen und Meinungen zu reflektieren, die man selbst als unangenehm wahrnimmt: 

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

         

        💭 Wie gehe ich auf die Themen ein, die die Kinder beschäftigen (könnten) und wie begleite ich Sie bei ihrer Auseinandersetzung mit den Themen? 

        💭 Wie gehe ich damit um, wenn Kinder anderer Meinung sind als ich? Welche Meinung zählt mehr?

        💭 Was ist meine eigene Haltung zu Politik und Demokratie und wie beeinflusst diese meine Arbeit mit den Kindern in meiner Kita?

        💭 Wie gehen wir in der Kita damit um, wenn wir unterschiedlicher Meinungen sind?  Wie finden wir gemeinsam Lösungen?

         

      • Good Practice Beispiel: Gespräch zum Thema "Bestimmer"

        In einer Kita unterhalten sich ein paar Kinder über die Berufe der Eltern. Matheo erzählt, dass sein Vater Chef sei. „Was macht ein Chef?“ fragt Anastasia. „Der darf alles bestimmen.“ antwortet ihr Matheo auf die Rückfrage. “In der Kita ist Anita Chef.“ schlussfolgert Hakim. Manche Kinder stimmen ihm direkt zu, aber andere widersprechen ihm. Da schaltet sich die pädagogische Fachkraft ein, die das Gespräch mitbekommen hat und moderiert die entstandene Diskussion mit der Frage „Über was bestimmt Anita denn?“.

        Mit ihrer Frage und weiteren Rückfragen wie „Wer bestimmt bei uns denn was?“ leitet die pädagogische Fachkraft ein Gespräch über Verantwortlichkeit und Mitbestimmung ein. Sie reflektiert mit den Kindern, welche Entscheidungen es in der Kita zu treffen gibt und bei welchen Themen die Kinder Einfluss nehmen können. Die Kinder lernen dabei, welche Rollenverteilungen es in der Kita gibt und welche Möglichkeiten sowie Grenzen bei der Mit- und Selbstbestimmung bestehen. So werden die dahinterliegenden (demokratischen) Strukturen der Kita im Gespräch gemeinsam entdeckt. 

      • Im ersten Teil dieses Abschnitts ging es darum, demokratische Strukturen grundsätzlich wahrzunehmen, zu erkennen und zu thematisieren. Im nächsten Schritt schließt die Frage an, wie die Strukturen veranschaulicht und für die Kinder zugänglich gemacht werden können.

        Übertragen auf das Praxisbeispiel könnte es z.B. so aussehen, dass die pädagogische Fachkraft während des Gesprächs notiert, welche „Bestimmer“ gemeinsam benannt werden und worüber sie bestimmen. Sie kann auch sichtbar machen, an welchen Stellen die Kinder (schon) mitbestimmen können. Vielleicht stellt sie dabei zusammen mit den Kindern fest, dass es noch gar nicht für alle offensichtlich ist, wer in der Kita für was verantwortlich ist und wo sich die Kinder aktiv einbringen können. Das kann die Fachkraft zum Anlass nehmen, um gemeinsam mit den Kindern zu überlegen, wie die Strukturen transparenter gestaltet werden könnten. Wäre ein ↪Organigramm vielleicht ein Ansatz oder haben Sie und die Kinder noch andere Ideen?

      • Selbstreflexion

        Bestimmt ist das Thema "Transparenz" in Ihrer Kita auch schon einmal aufgetreten. Wie würden Sie die Nachvollziehbarkeit von Zuständigkeiten und Beteiligungsmöglichkeiten bei Ihnen in der Kita einschätzen? 

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

         

        💭 Wissen die Kinder, bei welchen Themen sie selbst- oder mitbestimmen können?

        💭 Kennen die Kinder die Grenzen ihrer Mitbestimmung und wissen Sie warum sie bei einem Thema nicht oder nur eingeschränkt mitbestimmen können?

        💭 Wie werden Entscheidungen, die in der Gruppe getroffen werden, transparent gemacht für Eltern(beirat), Kinder und das Team? Wo können sich Kinder und Eltern über aktuelle Entwicklungen und Zuständigkeiten in ihrer Einrichtung informieren?

        💭 Ist es für Sie selbst schlüssig, wer in Ihrer Einrichtung für was zuständig ist? Sind Sie mit diesen Zuständigkeiten einverstanden? Haben Sie mitentschieden?

        💭 Sind Sie mit der aktuellen Lösung zufrieden? Falls nicht: Gibt es etwas, das Sie tun können?

      •  Das Zusammenleben in einer Demokratie verstehen

        Kinder bekommen mit, worüber Erwachsene diskutieren, sie sehen die Wahlplakate an der Straße, sie kommen über verschiedenen Medien mit teilweise auch sehr erschreckenden Nachrichten vor Ort, aber auch aus aller Welt, in Kontakt und manche haben gesellschaftliche Ausnahmezustände auch bereits hautnah miterlebt. Um all das Gehörte, Gesehene und Erlebte verstehen zu können, benötigen sie Unterstützung. Sie, als pädagogische Fachkraft, können den Kindern helfen, die Eindrücke einzuordnen und offen gebliebene Fragen zu klären. Das funktioniert am besten, wenn man sich als lernende Gemeinschaft sieht, die Kinder beim Entdecken politischer Strukturen begleitet und sich gemeinsam mit gesellschaftlichen Wirkmechanismen auseinandersetzt. Nun fragen Sie sich sicher, wie das in der Praxis aussehen kann. Wir haben einige Umsetzungsideen zur aktiven Auseinandersetzung mit politischen Themen in der Kita zusammengetragen, an denen Sie sich gerne orientieren können. 

      • Selbstreflexion

        Nehmen Sie sich einen kurzen Augenblick Zeit, um zu reflektieren, wie Ihnen das Thema politische Bildung bisher in Ihrer Einrichtung begegnet ist. Bitte notieren Sie sich Ihre Erfahrungen, die Sie bisher gesammelt haben, wie Kinder politische Themen „aufschnappen“ und mit in die Kita bringen.

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

         

        💭 Haben Kinder in der Kita schon politische Themen von sich aus angesprochen? 

        💭 Wie haben die anderen Kinder darauf reagiert?

        💭 Wie sind Sie und Ihre Kolleginnen oder Kollegen damit umgegangen?

        💭 Wie würden Sie zukünftig damit umgehen?

        💭 Welche der Umsetzungsideen würden Sie gerne anwenden?

      • Good Practice Beispiel: Hortnachrichten im Hort Brunnthal

        Die Kinder berichten regelmäßig über das Geschehen im Hortalltag. Die Projektgruppe trifft sich einmal in der Woche, gemeinsam werden Ideen gesammelt, welche Themen für alle spannend sein könnten und dann ziehen die Kinder mit Kamera und Mikro ausgerüstet los. Es werden aktuelle Bauwerke, Aktivitäten, Projekte, Spieltrends, Veränderungen gefilmt, Kinder und pädagogisch Tätige zu bestimmten Themen interviewt oder neue Projekte beworben. Anschließend wird das Material geschnitten. Vor der Veröffentlichung werden die gefilmten Kinder und Eltern nach ihrer Zustimmung gefragt. Dann wird das Video über die HortApp veröffentlicht. 

        Digitale Medien sind Teil der kindlichen Lebenswelt und bieten damit ein tolles Medium für die gelebte Demokratiebildung! Das partizipative Praxisbeispiel der Hortnachrichten kann Kindern helfen ein kritisches Verständnis über journalistische Berichterstattung zu erlernen und Fake News zu erkennen.
      •    Politische Strukturen im Sozialraum der Kinder zum Thema machen

        Im Rahmen der Überarbeitung des SGB VIII sind auch die Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder stärker in den Fokus gerückt. Wie diese Möglichkeiten genau aussehen könnten, ist im Gesetz nicht im Detail beschrieben. Die Bayerische Staatsregierung hat daher im 🔗"Gesamtkonzept zur Stärkung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Bayern" die Lebensbereiche und darin enthaltenen Partizipationsmöglichkeiten von Kindern genauer ausformuliert. Wie Kinder in den ihrem Alltag in den unterschiedlichen Gemeinden beteiligt werden, ist allerdings auch immer abhängig von den Strukturen vor Ort. Daher stellt sich die Frage: Wie können Erzieherinnen politische Strukturen in der Gemeinde vermitteln bzw. erlebbar machen? Drei Vorschläge zur Umsetzung werden nachfolgend kurz vorgestellt. 

      • Good Practice Beispiel: Ein Anliegen an die Gemeinde richten
        Glasscherben in einem Sandkasten eines Spielplatzes

        Eine Kita nutzt regelmäßig den öffentlichen Spielplatz am Stadtpark als Ausflugsziel. Irgendwann entdeckten die pädagogischen Fachkräfte jedoch immer wieder Glasscherben im Sandkasten, was eine akute Gefahr für die Kinder darstellte. Die Kita dokumentierte die Funde mit Fotos. Nach mehreren eigenen Reinigungsaktionen wandte sich die Kita mit einer formellen Beschwerde an die Gemeinde und schilderte die wiederholten Funde. Sie erläuterten die damit verbundenen Risiken für die Kinder und erklärten, warum ihnen dieser Missstand so ein großes Anliegen ist.

        Die Gemeinde reagierte zeitnah und schickte den Bauhof zur gründlichen Reinigung des Sandkastens. Um das Problem nachhaltig zu lösen, wurde gemeinsam beschlossen, dass der Sandkasten von der Gemeinde in regelmäßigen Abständen kontrolliert und gereinigt wird. Zudem wurden Hinweisschilder angebracht, die auf die Gefahren von Glasscherben und das Sauberhalten des Spielplatzes hinweisen. Bei der Gestaltung des Hinweisschildes wurden die Kinder der Kita mit einbezogen. 

         

      • Selbstreflexion

        Wenn Sie an Ihre Strukturen vor Ort denken, wie würden Sie die nachfolgenden Fragen einschätzen und beantworten? 

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch Notizblock und Stift
        💭Kennen Sie den Sozialraum der Kinder/rund um die Kita? 
         
        💭 Ist Ihnen oder den Kindern etwas in diesem Sozialraum aufgefallen, was nicht kindgerecht ist?
         
        💭 Welche Netzwerke, Kontakte oder Anfragen bestehen zwischen Ihrer Kita und anderen Institutionen in ihrem Sozialraum bereits?
         
        💭 Welche Möglichkeiten gibt es, mit anderen Einrichtungen vor Ort zusammenzuarbeiten, um politische Bildung zu fördern? 
      •   Noch ein paar Gedanken zum Schluss...

        Das Stichwort, das in dieser Rubrik immer wieder auftaucht, ist „Transparenz“. Viele Vorgehensweisen und Regeln werden im Alltag einfach hingenommen oder vorausgesetzt. Das ist auch vollkommen verständlich, denn sie geben uns Struktur und Verlässlichkeit. Doch wie das Sprichwort „Ausnahmen bestätigen die Regel“ schon andeutet; auch wenn uns diese Strukturen den Alltag dadurch entlasten, dass Entscheidungen nicht immer neu getroffen werden müssen, kommt es immer wieder auch zu Grenzfällen, neuen Gruppenzusammensetzungen und gesellschaftlichem Wandel, sodass ein bestehendes Schema nicht mehr zur Situation passt und das Zusammenleben neu ausgehandelt werden muss. Wenn den pädagogischen Fachkräften und Kindern bekannt ist, welche und auch warum Vereinbarungen getroffen und Abläufe vorbestimmt wurden, so fällt es allen Beteiligten leichter, die Vorgehensweisen und Regeln zu berücksichtigen und bei Bedarf nach einem geeigneten Kompromiss zu suchen. Die Kinder können die Werte und Normen, die es für den demokratischen Umgang in einer Gruppe benötigt, dadurch begreifen, dass beispielsweise Regeln nicht willkürlich erscheinen, sondern als Lösung für einen gerechten und sicheren Umgang miteinander verstanden werden. Durch das Wahrnehmen, Nutzen und Aushandeln von Strukturen lernen die Kinder ihre Rolle als aktive Mitgestalter der Gesellschaft kennen. 

        Bei politischer Bildung in der Kita geht es daher darum, den Kindern die demokratischen Aspekte des Zusammenlebens sichtbar zu machen und den Kindern damit die Möglichkeit zu geben, die Spielräume der Demokratie zu verstehen und nutzen zu können. 

      • Nachdem Sie nun das Kapitel "Respektvoller Umgang mit Vielfalt" bearbeitet haben, können Sie mit einem der folgenden Themenfeldern weitermachen: 

        ↪ Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken

        ↪ Respektvoller Umgang mit Vielfalt

        ↪ Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten der Kinder