• ➡ Respektvoller Umgang mit Vielfalt

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben
       
      Was erwartet Sie in diesem Kapitel? 

      In diesem Kapitel erhalten Sie zunächst eine allgemeine Einführung und Selbstreflexionmöglichkeit zu den Chancen und Herausforderungen, die die Vielfalt in der KiTa mit sich bringt. Zudem wird darauf eingegangen, weshalb ein respektvoller Umgang mit dieser Vielfalt so wichtig ist. 

      Im Anschluss erhalten Sie dann zwei Ansätze, die Sie nutzen können, um den respektvollen Umgang mit Vielfalt im pädagogischen Alltag zu verinnerlichen. Als erste Methode wird der Anti-Bias-Ansatz vorgestellt. Als zweite Methode der PQB-Qualitätskompass. 

        Geschätzte Bearbeitungszeit für dieses Kapitel: 1,5 - 2 h

      •   Chancen und Herausforderungen von Vielfalt

        Der pädagogische Alltag in Kitas lebt von der Vielfalt seiner Akteure – in einer Hinsicht, sind sich aber alle gleich: jeder und jede möchte seinen Platz in der Kita-Gemeinschaft finden, möchte gesehen und ernst genommen werden. Kita ist ein Ort für alle Kinder, und jedes Kind macht seine Kita zu seinem Lernort und persönlichen Lebensraum.

         

        Die Vielfalt in der Kita hat noch eine andere Seite: Die unterschiedlichen Sichtweisen, Erwartungen und Ansprüche der verschiedenen Akteure einer Kita kann die Pädagoginnen und Pädagogen in der Alltagsgestaltung in besonderer Weise herausfordern. Kinder haben andere Vorstellungen als Erwachsene und Eltern teilweise andere Erwartungen als Pädagoginnen und Pädagogen – dann müssen miteinander Konflikte gelöst und gemeinsame Lösungen ausgehandelt werden. Das ist nicht immer so einfach und bedeutet oftmals auch, Kompromisse einzugehen. Wie kann es da gelingen, Tag für Tag „eine Kita für alle“ zu gestalten?

         

        Auch hier wollen wir zunächst den Blick auf die Kinder und ihre individuellen Bedürfnisse, Interessen und Kompetenzen richten. Wir laden Sie ein zu folgendem Gedankenexperiment:

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      • Zugegeben, einiges im Kita-Alltag wäre leichter, vieles im Tagesablauf wäre einfacher planbar, z.B. könnten alle Aktivitäten immer mit der ganzen Gruppe stattfinden. Andererseits müssten Sie ohne die Vielfalt auch auf vieles verzichten, das erst durch die unterschiedlichen Äußerungen oder Reaktionen einzelner Kinder oder in der Kleingruppe zum Thema wird. Sie kennen das: Oftmals bringt ein Kind eine Frage mit, und ein paar andere Kinder machen dieses Thema zu einem gemeinsamen Projekt mit kreativen Lösungen, daraus entstehen neue Fragen und weitere Ideen usw.

        Wenn alle Kinder gleich wären, würden jüngere nicht von älteren Kindern lernen, ängstlichere Kinder nicht von mutigeren - diese Eigenschaftenliste lässt sich beliebig fortführen. Vielfalt ist immer dann eine Bereicherung, wenn wir gemeinsam an einer Sache forschen und wachsen können. Vielfalt schafft Anregungen für neue Lernwege und gemeinsame Erfahrungen. Und gemeinsame Erfahrungen schaffen ein Wir-Gefühl, ein lebendiges Miteinander, in dem jedes Kind (und auch jeder Erwachsene) seinen Platz finden kann.

      • Selbstreflexion

        Vielfalt in der Kita kann auch herausfordernd sein, insbesondere dann, wenn Konflikte entstehen und Werte in Frage gestellt werden, die in der Kita-Gemeinschaft wichtig sind. Was tun Sie, wenn einzelne Kinder beginnen, ein Kind auszuschließen (statt es so anzunehmen, wie es ist)? Wenn Sätze fallen, wie „der ist schmutzig!“ oder „die redet so komisch!“ (obwohl alle einen wertschätzenden Umgang miteinander wichtig finden) – wie reagieren Sie? Was tun Sie, wenn ein Kind nicht neben einem anderen Kind sitzen möchte, weil seine Eltern ihm das ausdrücklich verboten haben?

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch.

        Notizblock und Stift

         

        💭 Welche Kinder fallen Ihnen als Erstes ein? Wer wird immer wieder diskriminiert? Wer schließt aus?

        💭 Wann haben Sie in der letzten Zeit (unbewusst) ein Kind oder ein Elternteil diskriminiert? Ist Ihnen – aus Verärgerung – eine abfällige Bemerkung „rausgerutscht“? Haben Sie Kolleginnen gegenüber jemanden statt mit Namen, nach einem besonderen Merkmal (z.B. große Nase, Hautfarbe, seltsame Kleidung) „benannt“?

        💭 Haben Sie sich selbst schon einmal ausgegrenzt gefühlt? Wie ist es Ihnen dabei gegangen? (z.B. im Team, bei einer Party, in der Öffentlichkeit)

      •  Bedeutung des respektvollen Umgangs mit Vielfalt

        Hier erfahren Sie, auf welchen Ebenen Vielfalt berücksichtigt werden sollte und welche Ansätze Sie in diesem Kapitel erwarten dürfen. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.

      •  Der Anti-Bias-Ansatz

        Die vier Schritte des Anti-Bias-Ansatzes sind eine Richtschnur und eine effektive Methode, um sich und andere vorurteilsbewusster wahrzunehmen und durch diese „professionelle Brille“ respektvoller miteinander umzugehen. Bitte sehen Sie sich den nachfolgenden Film zur Haltung im Anti-Bias-Ansatz an:
      •  Der Anti-Bias-Ansatz in der Praxis

        Hier erfahren Sie, wie Sie mit Hilfe des Anti-Bias-Ansatzes Ihre eigene pädagogische Praxis reflektieren können. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.

      • Selbstreflexion mit Fallbeispiel

        Wir möchten Sie dazu einladen, sich kurz Zeit zu nehmen, um anhand des Anti-Bias-Ansatzes das Fallbeispiel zu erarbeiten: 

        Stellen Sie sich vor, Sie möchten in der nächsten Teamsitzung die Vielfalt der Familien in Ihrer Einrichtung (mit ihren Herausforderungen und Chancen) wertschätzend in den Blick nehmen.

        Anlass für dieses Teamthema sind Beobachtungen, dass Eltern unterschiedliche Meinungen zu „richtiger“ Erziehung haben und das pädagogische Handeln der Pädagoginnen in der Einrichtung entsprechend kritisieren. Einige Eltern wünschen sich ein „härteres“ Durchgreifen gegenüber Kindern, die sich nicht an Regeln halten und auch, dass Kinder bestraft werden, wenn Ermahnungen „nichts bringen“.

        Das Team fühlt sich zu Unrecht kritisiert, einige Kolleginnen reagieren mit Unverständnis und Abwehr, einige sind nachhaltig verärgert über diese pädagogische „Einmischung“ der Eltern.

         

        Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch. Notizblock und Stift

         

        1. Schritt: "Wer bin ich und durch welche Einflüsse wurde mein Erziehungsstil geprägt?"

        • Welche Auswirkungen hat dies auf Ihren Erziehungsstil?
        • Was ist Ihnen in der Erziehung wichtig?
        • Was sollten Kinder in Ihrer Gruppe von Ihnen lernen? 

        2. Schritt: „Wo denke ich gleich, wo denke ich anders als die Eltern in der Einrichtung?“

        • Wie wurden Sie als Kind erzogen?
        • Wie viele Freiheiten hatten Sie als Kind in Ihrer Familie?
        • Was haben Sie über Erziehung gelernt?
        • Wie denken Sie heute darüber?

        3. Schritt: „Wo denke ich in Schubladen? Wo habe ich (noch) Vorurteile gegenüber Erziehungsstilen in den Familien mit bestimmten Merkmalen?“

        • Wenn Sie an die „kritischen“ Familien in Ihrer Kita denken: Was stört Sie?
        • Wo haben Sie abwehrende und abwertende Gedanken?
        • Wo zeigen sich einseitige Sichtweisen („das ist typisch für…“)
        • Bei welchen Eltern fühlen Sie sich besonders hilflos oder wütend? 

        4. Schritt: "Wie und worüber möchte ich mit den Eltern ins Gespräch kommen?"

        • Welcher zeitliche Rahmen ist geeignet?
        • In welchen Räumen kann man Gespräche führen?
        • Wer im Team kann unterstützen?
        • Wie leite ich das Gespräch ein?
        • Welche Kernbotschaften möchte ich rüberbringen?
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         Wertschätzende Interaktion mit allen Eltern

        Vielleicht kennen Sie ja bereits den 🔗PQB-Qualitätskompass. Darin werden sogenannte „Merkmale“ aufgezeigt, mithilfe derer Sie Ihre pädagogische Praxis analysieren und reflektieren können. Auch für den Bereich respektvoller Umgang mit Vielfalt lassen sich einige dieser Merkmale anwenden. Zunächst befassen wir uns mit dem wertschätzenden Umgang mit der Familie jedes Kindes. Können Sie die vier nachfolgenden Merkmale auf Ihren pädagogischen Alltag übertragen?  

         

        Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

        💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?

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         Sprachliche Vielfalt berücksichtigen

        Im 🔗PQB-Qualitätskompass werden auch Merkmale benannt, mithilfe derer Sie Ihren Umgang mit der sprachlichen Vielfalt analysieren und reflektieren können. Können Sie die fünf nachfolgenden Merkmale auf Ihren pädagogischen Alltag übertragen?  

         

         

        Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

        💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?

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         Wertschätzender und respektvoller Umgang mit allen Kindern

        Auch Merkmale für Interaktionen mit Kindern werden im 🔗PQB-Qualitätskompass benannt. Der Kompass wurde dazu entwickelt, die Interaktionen im Kita-Alltag zu beobachten, sie mit dem inklusiven Blick zu reflektieren und darüber – im Team – ins Gespräch zu kommen. Mithilfe der benannten Merkmale können Sie analysieren und reflektieren, wie wertschätzend und respektvoll Ihr Umgang mit den Kindern bereits ist. Können Sie die drei nachfolgenden Merkmale auf Ihren pädagogischen Alltag übertragen?  

         

         

        Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch Notizblock und Stift

        💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?

      • In diesem Kapitel haben Sie zwei Instrumente kennengelernt, mit denen pädagogische Fachkräfte Ihren Umgang mit Vielfältigkeit reflektieren können. Während Sie mit dem Anti-Bias-Ansatz grundsätzlich selbst ein Beispiel wählen können, das Sie bearbeiten möchten, unterstützt der PQB-Qualitätskompass dabei, gezielt mögliche blinde Flecken aufzudecken. Aufgrund der zwei unterschiedlichen Herangehensweisen sind beide Ansätze auch in Kombination wertvoll für die Reflexion der Praxis.

        Nutzen Sie das Ende dieses Kapitels, um einen kurzen Vergleich zu ziehen. Fällt es Ihnen leichter, ein eigenes Beispiel mithilfe des Anti-Bias-Ansatzes durchzuarbeiten oder verlassen Sie sich gerne auf den roten Faden, den der PQB-Qualitätskompass bietet? 

         

        Wichtig zur Verinnerlichung einer demokratischen Grundhaltung, die auch den respektvollen Umgang mit Vielfalt umfasst, ist in jedem Fall, dass Sie sich regelmäßig reflektieren. Das ist in einem abwechslungsreichen Kita-Alltag nicht immer so einfach. Darum können Sie diesen Tipp anwenden: 

         

        Suchen Sie sich in Ihrem Kalender einen Termin in ca. zwei Monaten heraus. Wählen Sie einen Tag, von dem Sie glauben, dass Sie 15 - 30 Minuten Zeit haben werden. Das kann zum Beispiel der Tag sein, an dem Sie regelmäßig Ihre Vor- und Nachbereitungszeit für die Kita machen. Machen Sie sich für diesen Tag einen Kalendereintrag mit dem Hinweis "Umgang mit Vielfalt reflektieren". Sie kennen sich selbst am besten: Notieren Sie gerne weitere Hinweise dazu, wenn Sie die Gedankenstütze konkreter formulieren möchten.

         

        Wenn Sie dann in zwei Monaten auf den Hinweis aufmerksam werden, können Sie nochmals einen Blick auf die Reflexionshilfen hier in diesem Kurskapitel werfen. Gibt es eine neue Fragestellung, die Sie mit dem Anti-Bias-Ansatz bearbeiten können? Konnten Sie die Merkmale, die im PQB-Qualitätskompass aufgelistet sind, in Ihrem Alltag umsetzen? 

      • Nun haben Sie das zweite Kernkapitel zum Thema Demokratie in der Kita erfolgreich durchgearbeitet. Der nächste Schritt ist nun den respektvollen Umgang mit Vielfalt praktisch im Kita-Alltag zu leben.

        Haben Sie Mut, sich darauf einzulassen und mit Ihren Kolleginnen und Kollegen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen. Sie werden nun sicherlich vieles mit neuen Augen sehen und können auch Kindern, Eltern sowie Kolleginnen und Kollegen dabei helfen, Vorurteile zu überwinden und einen wertschätzenden Umgang mit Vielfältigkeit zu finden. Nutzen Sie dazu gerne auch die weiterführenden Materialien.

      • Good Practice Beispiel: Regelplakat

        Der Hort Johannes-Brahms-Straße in Nürnberg hat gemeinsam mit den Kindern ein Regelplakat erarbeitet und von einem Künstler grafisch darstellen lassen. Das Plakat wurde zentral einsehbar in der Einrichtung aufgehängt, um diskriminierendem Verhalten entgegen zu wirken.  

        Ein Plakat, auf dem darauf hingewiesen wird, dass niemand wegen bestimmter Merkmale geärgert, beleidigt oder ausgegrenzt wird

        (c) Hort Johannes-Brahms-Straße Nürnberg by Juan Rodriguez

      • Nachdem Sie nun das Kapitel "Respektvoller Umgang mit Vielfalt" bearbeitet haben, können Sie mit einem der folgenden Themenfeldern weitermachen: 

        ↪ Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken

        ↪ Mitbestimmungs- und Beschwerdemöglichkeiten der Kinder

        ↪ Politische Bildung? Auch das geht schon in der Kita!