➡ Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken
Abschnittsübersicht
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Hervorgehoben
Was erwartet Sie in diesem Kapitel? In diesem Kapitel erfahren Sie zunächst, wie durch Reflexion ein bewusster Umgang mit Vorurteilen erfolgen kann und welche Rolle Sie als Pädagogin oder Pädagoge hierbei inne haben. Es werden anschließend vier Schritte gegen Ausgrenzung vorgestellt, die bei diesem Reflexionsprozess unterstützen können. Um ein Verständnis dafür entwickeln zu können, was Vorurteile mit sich bringen, werden auch deren Auswirkungen in Kombination mit einer Selbstreflexion analysiert.
Im zweiten Teil wird zunächst vorgestellt, wie der PQB-Qualitätskompass dabei unterstützen kann, mehr Vorurteilsbewusstsein zu schaffen. Exemplarisch wird hierbei das Handlungsfeld Lernumgebung beleuchtet. Anschließend wird die Machtposition von Erwachsenen und die damit verbundenen Diskriminierungserfahrungen von Kindern thematisiert.
Abschließend erhalten Sie noch Hinweise und Anregungen, wie Sie das neue Thema mit in Ihre Praxis und das Team nehmen können, aber auch, wie sie mit dem Thema Rechtsextremismus in der Kita umgehen können.
Geschätzte Bearbeitungszeit für dieses Kapitel: 1,5 - 2 h-
Einen bewussten Umgang mit Vorurteilen schaffenJeder Mensch hat Vorurteile, denn unser Gehirn braucht Vorurteile, um nicht jede Situation im Alltag neu bewerten zu müssen. Wichtig ist jedoch, diese Vorurteile zu erkennen und einen bewussten Umgang damit zu finden. Pädagogische Fachkräfte können dann sowohl Vorbild als auch Fürsprecher für die Kinder sein.
Aus diesem Grund hat sich die Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung am Institut für den Situationsansatz mit diesem Thema auseinandergesetzt und für die Kita-Praxis aufbereitet:
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Wie lassen sich der im Video angesprochene Situationsansatz und das BayBEP-Verständnis von Bildung als Ko-Konstruktion miteinander verbinden?
Das Thema Vorurteile und Diskriminierung schwingt häufig eher unbewusst im Alltag mit und kann dadurch jederzeit zum Bildungsthema werden. Einige Kinder übernehmen die manchmal vorbelasteten Grundeinstellungen der Erwachsenen einfach, ohne diese zu hinterfragen, während andere Kinder sensibel auf Ungleichbehandlungen, auch unter Kindern, reagieren und Vorurteile in Frage stellen. Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte, sich mit den Kindern ko-konstruktiv und auf Augenhöhe diesen Fragen zu stellen und bereit zu sein, vorurteilsbehaftetes Verhalten gemeinsam zu reflektieren. Dabei kann es vorkommen, dass auch andere Kinder sich für das Thema interessieren und durch das Gespräch zu eigenen Fragen und Lösungen angeregt werden, obwohl sie selbst die Situation nicht hinterfragt hatten. Natürlich müssen pädagogische Fachkräfte nicht erst warten, bis Kinder von sich aus auf Diskriminierung aufmerksam werden und es thematisieren. Auch die Fachkraft selbst kann den Kindern gegenüber erklären, dass sie gerade diskriminierendes Verhalten wahrgenommen hat und diese Beobachtung zum Anlass nehmen, Vorurteile zum Gesprächs- und Bildungsthema der Gruppe zu machen.
Die vier Schritte gegen Ausgrenzung können dabei eine hilfreiche Unterstützung sein. Sie bieten Ansatzpunkte, um selbstkritisch über Grundeinstellungen nachzudenken und gegen diskriminierendes Verhalten aktiv zu werden. Mit Hilfe der nachfolgenden Übung können Sie die vier Schritte verinnerlichen.
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Vorurteile und deren AuswirkungenHier erfahren Sie, wie Sie mit einer vorurteilsbewusste Grundhaltung Diskriminierung entgegenwirken können. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.
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SelbstreflexionWir laden Sie ein zur persönlichen Praxisreflexion.
Notieren Sie Ihre Antworten auf die nachfolgenden Fragen in Ihr Reflexionstagebuch. 
Bitte denken Sie dabei an die Kinder in Ihrer Einrichtung und notieren Sie Ihre Antworten:
💭 Welche Kinder mögen Sie besonders gern und freuen sich, wenn sie da sind? Bei welchen Kindern fällt es Ihnen leicht, sie so anzunehmen, wie sie sind? Welche Eigenschaften schätzen Sie besonders?💭 Bei welchen Kindern tun Sie sich schwer und sind eher erleichtert/fühlen sich weniger gestresst, wenn sie mal fehlen? Welches Kind macht Sie (immer wieder) wütend oder bringt sie an Ihre Grenzen und warum? Welche Eigenschaften bringen Sie „aus dem Konzept“?
Wenn Sie im Team arbeiten, dann haben Sie vielleicht die Erfahrung gemacht, dass Sie ein Kind als „schwieriger“ wahrnehmen als Ihre Kollegin/Ihr Kollege. Notieren Sie Ihre Überlegungen in Ihrem Reflexionstagebuch:
💭 Gibt es Absprachen im Team, wenn es um solche „schwierigen“ Kinder geht?💭 Wie gehen Sie im Team mit Kindern um, die alle oder einige im Team herausfordern und an ihre Grenzen bringen? Welche Ressourcen haben Sie?
💭 Wer könnte Sie außerhalb des Teams unterstützen, um auch herausfordernden Kindern besser gerecht zu werden? Welche Ressourcen brauchen Sie?
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Vorurteilsbewusste Teamarbeit und eine regelmäßige Praxisreflexion können dazu beitragen, dass Kinder, die mit ihrem Verhalten „aus dem Rahmen fallen“, Aufmerksamkeit und Unterstützung von einer festen Bezugsperson erhalten.
Diese Person lernt das Kind intensiver kennen und kann dann durch ihre Erfahrungen und Beobachtungen dazu beitragen, dass die anderen im Team nicht nur die Auffälligkeiten, sondern auch die positiven Seiten eines Kindes erkennen. Hilfreich können hier auch Filmaufnahmen aus dem Kita-Alltag sein, die z.B. im Rahmen einer Teambesprechung miteinander betrachtet werden können.
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Mit dem PQB-Qualitätskompass Vorurteilsbewusstsein schaffenWer sich mit vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung befasst und sich auf den Weg zu einer inklusiveren Kita der Vielfalt macht, erkennt schnell, dass sich in der Kita verschiedene Handlungsfelder auftun, die beleuchtet und weiterentwickelt werden können.
Sie können also selbst auswählen, wo Sie anfangen möchten. Vielleicht wählen Sie einen Bereich aus, der Ihnen besonders einfach vorkommt, beginnen, wo es am meisten „brennt“ oder mit einem Handlungsfeld, das Ihnen als erstes ins Auge springt.

Sie könnten mit der Lernumgebung anfangen. Stellen Sie sich vor, Ihnen würde auffallen, dass die Lernumgebung in Ihrer Einrichtung noch lauter stereotype Materialien anbietet, die die Vielfalt unserer Gesellschaft nicht abbilden. Sie sprechen das in einer Teambesprechung an und Ihre Kollegin oder Ihr Kollege möchte das Thema mit dem Satz „Solange das nicht Thema in der Gruppe ist, brauch ich mich nicht darum kümmern.“ umgehen. Was würden Sie antworten? Wie würden Sie Ihrer Kollegin oder Ihrem Kollegen erklären, dass es doch wichtig ist, Kindern die Vielfalt unserer Gesellschaft in der Kita, der 🔗"Kinderstube der Demokratie", vorzuleben? Und wo kann die Vielfalt unserer Gesellschaft in der Kita repräsentiert werden?
Dann gehen Sie tatsächlich und gedanklich durch Ihre Einrichtung, sehen sich Räume und Schränke, Funktionsecken und Materialien an und stellen sie mit folgenden Leitfragen „auf die inklusive Probe“:
- Finden Sie Spuren von allen Kindern und Familien in der Einrichtung? Wer ist auf Fotos und Bildern abgebildet? Ist die Vielfalt sichtbar?
- Sind alle Menschen in unserer Gesellschaft in den Materialien (z.B. Bücher, Bilder, Spielzeug) repräsentiert mit ihren sichtbaren Merkmalen? In welchen (typischen) Berufen oder Lebenssituationen werden Frauen und Männer dargestellt? Welche Lebenswelten und Familienformen werden abgebildet?
- Gibt es bei der Lernumgebung Einseitigkeiten (z.B. in Büchern meist die Familienform „Vater, Mutter, Kind“)? Dominiert eine Kindergruppe (z.B. mehr Materialien für Mädchen)? Fehlt etwas (z.B. die Darstellung von Kindern mit Behinderung)?
- Wie wird mit dem Thema "Hautfarbe" bei den Malstiften umgegangen?
- Welche Begriffe werden auf Formularen verwendet: Wird von Mutter & Vater oder Erziehungsberechtigten gesprochen?
- Werden bei den Mahlzeiten andere kulturelle Praktiken thematisiert? (z.B. Essen mit Besteck, Händen, Stäbchen, auf dem Boden oder am Tisch sitzend...)
Wie könnten Sie systematisch die Lernumgebung in ihrer Einrichtung mit der inklusiven Brille im Hinblick auf die Vielfalt aller Kinder und Familien reflektieren?
Hier kann der 🔗PQB-Qualitätskompass als Beobachtungs- und Reflexionsinstrument für Kindertageseinrichtungen zum Einsatz kommen. Er unterstützt Sie – auch in der Kindertagespflege - dabei, die Lernumgebung in Ihrer Einrichtung so inklusiv zu gestalten, dass alle Kinder und Familien repräsentiert sind.
Bitte notieren Sie Ihre Gedanken zu dieser Frage in Ihrem Reflexionstagebuch 
💭 Was klappt schon gut und woran möchten Sie noch arbeiten?
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Die Machtposition von ErwachsenenHier erfahren Sie, welche Verantwortung Ihre Machtposition als Pädagogin und Pädagoge mit sich bringt. Klicken Sie sich durch die einzelnen Folien, um sich über das Thema zu informieren.
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Für die Reflexion im Alltag können Sie sich an dieser Stelle eine Erinnerungshilfe gestalten. Das kann z.B. eine Karteikarte, ein Klebezettel oder eine Zeichnung sein. Sie können darauf die vier Anregungsfragen der vorangegangenen Folien nutzen oder eine eigene Formulierung wählen.
Wenn Ihre Erinnerungshilfe zum Einsatz gekommen ist, können Sie sich hinterher auch noch weitere Fragen stellen und diese dokumentieren. Z.B. was hat Ihnen geholfen trotz Zeitdruck ein machtsensibles Argument zu formulieren? Auf welche Antwort waren Sie besonders stolz? Möchten Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen von etwas berichten?

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Wie kann ich das neue Wissen in meiner Kita anwenden?Beim Durcharbeiten des Kapitels ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass Diskriminierung im Alltag häufig ganz beiläufig und oft auch unabsichtlich geschehen kann. Nicht immer steckt dahinter eine Absicht, die bewusst andere Personen in eine Schublade stecken, erniedrigen oder schaden soll. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich im Team hierbei gegenseitig unterstützen. Nicht immer schafft man es, sein Handeln selbst zu reflektieren, da es von den eigenen Erfahrungen und Vorstellungen stark geprägt ist. Unterstützen Sie sich, wenn Sie im Team arbeiten, gegenseitig dabei, durch Austausch und konstruktives Feedback, an Ihrer Haltung zu arbeiten um eigene Vorurteile abzubauen und Diskriminierung in Ihrer Einrichtung entgegen zu wirken.

Damit Sie sich mit dem Thema in Ihrer Einrichtung intensiver auseinandersetzen können, erhalten Sie im Folgenden noch ein paar Anregungen, die Sie als Reflexionsgrundlage einbringen und nutzen können. -
Reflexionsfragen

Eine hilfreiche Unterstützung zur Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt sind Sammlungen von Reflexionsfragen. Einige Träger haben hierfür bereits eigene Materialien entwickelt und stellen diese Ihren Einrichtungen im Netz zur Verfügung. Auch am IFP wurden im Rahmen des Projekts BEP Hessen Reflexionsfragen entwickelt. Es handelt sich dabei um die sogenannten BEP-Lupen. Auf diesen Karten, die immer eine Vor- und eine Rückseite umfassen, wird immer ein Thema mit passenden Reflexionsfragen näher beleuchtet. Eine Rubrik umfasst auch den Umgang mit individuellen Unterschieden und soziokultureller Vielfalt. 🔗 Schauen Sie gerne mal in die Sammlung hinein, vielleicht ist auch eine passende Reflexionskarte für ein Thema, das Sie aktuell beschäftigt, dabei!
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Umgang mit Rechtsextremismus in der Kita

Die extremste Form des vorurteilsbehafteten und diskriminierenden Verhaltens tritt auf, wenn sich Personen an rechtsradikalen Einstellungen orientieren. Diese Ansichten lassen sich jedoch nicht mit unseren demokratischen Grundwerten in Einklang bringen und führen daher häufig zu Störungen in der Kita-Gemeinschaft. Damit dieses Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Vorstellungen nicht zu Konflikten führt, die sich irgendwann hochschaukeln, ist es ratsam, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierbei können
Erfahrungsberichte aus der Praxis und 🔗 Beratungsstellen eine erste gute Orientierung bieten, um eine gute Lösung und Herangehensweise für die eigene Situation zu finden. -
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Nachden Sie das Kapitel "Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken" durchgearbeitet haben, können Sie mit einem der folgenden Themenfeldern weitermachen:
↪ Respektvoller Umgang mit Vielfalt
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