2. NEU ZUGEWANDERTE KINDER LERNEN DEUTSCH
Abschnittsübersicht
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Hervorgehoben
Im letzten Abschnitt wurde gezeigt, wie zentral es für die sprachliche Bildung mit neu zugewanderten Kindern ist, deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. In diesem Abschnitt nun stehen die kommunikativen Fähigkeiten der Kinder im Fokus: Welche kommunikativen Fähigkeiten brauchen die Kinder, um sich im Alltag zurechtzufinden? In Abschnitt 2.1 werden die Phasen beschrieben, die neu zugewanderten Kinder durchlaufen, wenn sie die deutsche Sprache erwerben. Anschließen wird auf die Entwicklung von literalen Fähigkeiten und die Konzeptentwicklung von (angehenden) mehrsprachigen Kindern eingegangen.
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Neu zugewanderte Kinder wachsen meist mehrsprachig auf
Neu zugewanderte Kinder sind angehende Mehrsprachige und können erfolgreich zwei Sprachen erwerben. Sie haben deshalb auch Bedürfnisse in zwei Sprachen und zwei Schriftsystemen. Außerhalb der Kita haben sie noch andere Lebensumgebungen, in denen anders gesprochen und gelebt wird. Deshalb haben sie oft Wörter zur Bezeichnung von Dingen oder Handlungen nur in einer Sprache zur Verfügung.Einige Kinder erfahren beim Übergang in die Kita einen "Sprachenschock" und bleiben still - besonders, wenn ihre Sprache nicht wertgeschätzt wird. Viele dieser Kinder verbergen dann ihre Erstsprache und riskieren, sie zu verlieren.
Wenn neu zugewanderte Kinder in die Kita kommen, verstehen sie in der Regel kein Deutsch und können sich nicht in gewohnter Weise sprachlich mitteilen. Das Ziel ist zunächst einmal, sprachlich wieder handlungsfähig zu werden, mit der deutschen Sprache etwas bewirken zu können.
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Aus einsprachigen Kindern werden zweisprachige
Die neu aus der Ukraine zugewanderten Kinder sind bislang meist einsprachig mit Ukrainisch oder Russisch aufgewachsen. In manchen Familien wurden aber daheim auch beide Sprachen gesprochen. Im deutschen Kindergarten lernen die ukrainischen Kinder nun als zweite bzw. dritte Sprache Deutsch. Dabei verfügen sie bereits über viel Sprachwissen, auf das sie zurückgreifen können: So wissen sie zum Beispiel, wie man Fragen stellt, oder dass es Oberbegriffe gibt, wie z. B. Obst für Apfel, Erdbeere und Banane (фрукт = Obst).2-sprachig = 1 Sprache + 1 Sprache?
- Eine neue Sprache lernen heißt Kompetenzen auf zwei Ebenen zu erwerben: auf der sozialen und auf der Bildungsebene.
- Niemand ist auf demselben Niveau zweisprachig, weil niemand dieselben Sprachen für dieselben Zwecke anwendet.
- Die beiden Sprachen werden meist in verschiedenen Zusammenhängen und Umgebungen gelernt und verwendet - für verschiedene Zwecke, zu verschiedenen Zeiten am Tag oder Jahr.
- Typischerweise kennen Kinder, die Deutsch nur im Kindergarten sprechen, viele "Kita"-Wörter wie "Puppenecke" oder "Morgenkreis" nur auf Deutsch und "Daheim"- Ausdrücke wie "З ліжка/Ab ins Bett" nur in der Familiensprache.
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Ukrainischsprachige Kinder lernen Deutsch
Beim Deutschlernen gibt es einige Stolpersteine, die oft Schwierigkeiten bereiten:1. Es gibt keinen Artikel im Ukrainischen!

- Für eine gelungene Kommunikation benötigen die Kinder zunächst auch keine Artikel!
- Das Geschlecht erkennt man im Ukrainischen in der Regel am Auslaut des ersten Falls der Einzahl (männlich: Konsonant; weiblich: a; sächlich: o)
- Die Kinder lernen das grammatische Geschlecht (der, die, das) im Deutschen dadurch, dass sie diese Formen oft hören und selbst ausprobieren.
- Alle Übungen, die auf das Lernen über grammatische Regeln abzielen, sind nicht entwicklungsangemessen.
- Nicht zielführend ist z.B. Bildkarten auf „Der-Die-Das-Stapel“ zu sortieren
2. Das Ukrainische hat keine Entsprechungen für die so genannten deutschen Umlaute (z.B. [ö], [ü] ) und Zwielaute (z.B. [au] ).
3. Auch wird bei den Vokalen nicht zwischen langen und kurzen Vokalen unterschieden (vgl. im
Deutschen: Miete [mi:te] gegenüber Mitte [mite]).- Die ukrainischen Kinder können die Umlaute und Vokallängen nicht wahrnehmen. Sie hören keinen Unterschied zwischen „offen“ und „Ofen“.
- Es braucht Zeit und viel Kontakt zum Deutschen, bis sie diese Unterschiede „heraushören“.
- Erst wenn die Kinder die Unterschiede hören, kann mit dem Erwerb der Aussprache begonnen werden.
Kein Training der Umlaute und Vokallängen bei NEU zugewanderten Kindern! -
Chunks - wertvolle Helfer beim Sprachlernen
Was sind Chunks?
Ein Chunk ist ein kleiner Block sprachlicher Information, wie z. B.: Verstehst du? / Wie geht's? / Kann ich bitte ...? / Hast du eine ...?
- Die Verwendung von Chunks bedeutet, eine Sprache im Kontext zu lernen.
- Es bedeutet, dass man Sätze oder Wortgruppen lernt und nicht nur einzelne Wörter.
- Bei diesen sprachlichen Einheiten kann es sich um feste Sätze, feste Wendungen und andere lexikalische Einheiten handeln.
- Warum ist das Nutzen von Chunks eine gute Methode zum Sprachlernen?
- Wenn wir Chunks nutzen, können wir viele kleine Informationen - neue Wörter - zu einem größeren Ganzen zusammenfügen, das wir uns merken können.
- Das Nutzen von Chunks ermöglicht es uns, viele nützliche Floskeln, Redewendungen zur Hand zu haben, wenn wir uns in einer zweiten Sprache unterhalten. Wir müssen nicht mehr jedes einzelne Wort suchen, wenn wir etwas sagen wollen. Das macht unser Sprechen viel schneller und flüssiger.
- Und schließlich ermöglicht uns das Sprechen in Abschnitten, grammatikalisch korrekt zu sprechen, ohne dass wir die Grammatik wirklich vollständig gelernt haben.
Das Nutzen von Chunks ist auf allen Niveaus geeignet. Anfänger sollten sich nicht scheuen, sehr nützliche ganze Sätze und Fragen zu lernen. "Kannst du mir helfen?" funktioniert viel besser als "Hilfe"! Und „Kann ich bitte Tee haben?" ist viel netter als „Bitte Tee!".
Beispiel:
- Am besten mit Bewegungen verknüpfen: „Ich kann hüpfen. Kannst Du hüpfen?“ – Kinder ermutigten, mit "Ja, ich kann hüpfen" oder "Nein, ich kann nicht hüpfen" zu antworten.
- „Kann ich bitte einen Bleistift/Gummi/Lineal/Spitzer haben?“ und "Kann ich bitte auf die Toilette gehen?"
Diese Beispiele sollen zeigen, dass es für das Kind und die pädagogische Fach-/Lehrkraft viel lohnender ist, wenn das Kind einen "Baustein" der Sprache gelernt hat und nicht nur ein einzelnes Wort.
Man kann die Kinder ermutigen, indem man ihnen sagt, dass sie jetzt ganze Sätze auf Deutsch sagen können!
Das Kind hat das Gefühl, etwas Wichtiges gelernt zu haben, und pädagogische Fach-/Lehrkraft sieht, dass das Kind tatsächlich kommuniziert und nicht nur auf ein Kärtchen schaut und sagt, was es sieht.
Besonders für 5- und 6-Jährige ist es wichtig, denn sie sind in ihrer eigenen Sprache kompetent, und wenn sie sich in einer anderen Sprache verständigen können, sind sie (zu Recht) stolz auf sich und wollen mehr lernen. Es ist viel motivierender zu lernen, wie man sich wirklich in einer anderen Sprache verständigen kann, als nur einzelne Wörter zu lernen.
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