• ➠ Macht und Adultismus

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben

      Jede Kita bzw. jedes Team birgt in sich spezifische Gelegenheitsstrukturen und Situationen, worin Gefährdungen für machtmissbräuchliches Verhalten liegen können.

      Fachkräfte in Kitas brauchen deshalb zunächst so etwas wie ein Machtbewusstsein. Dafür reflektieren Sie bewusst die Machtverhältnisse in der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern und entwickeln Ihre Haltung und Handlungspraxis kontinuierlich weiter.


      • Risikoanalyse zu Macht in der Kita 

          Worum geht´s?

        Macht ist in der Kita allgegenwärtig. Der folgende Kurzvortrag "Macht in der Pädagogik" von Prof. Dr. Raingard Knauer von der Fachhochschule  Kiel aus dem  MOOC "Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita" beleuchtet das Verhältnis zwischen Macht und Pädagogik und zeigt auf, welchen Einfluss Macht auf das Handeln pädagogischer Fachkräfte ausübt.

        Quelle: MOOC Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita

        © Gabriele Stegmann

         

         Wie geht´s?

        Diese Reflexionsfragen können Sie zusammen im Team erörtern und diskutieren:

        © Gabriele Stegmann

        Reflexionsfragen in Anlehnung an die Methode „Die verschiedenen Facetten der Macht – Macht gegenüber Kindern“ von Höhme. E. In: Institut für den Situationsansatz / Fachstelle Kinderwelten (Hrsg.) (2018): Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten. Wamiki Verlag, S. 66

         Ergänzendes Material

        Hansen, Rüdiger & Knauer, Raingard (2010): Zum Umgang mit Macht in Kindertageseinrichtungen. Reflexionen zu einem häufig verdrängten Thema. In: TPS-Theorie und Praxis der Sozialpädagogik 8/2010

        Adultismus 

         Worum geht´s ?

        Die bestehende Machtungleichheit zwischen Erwachsenen und Kinder und infolgedessen die Diskriminierung von jungen Menschen allein aufgrund ihres jungen Alters wird als Adultismus bezeichnet.

        “Adult = engl. Erwachsene, erwachsen und -ismus = verweist auf gesellschaftlich bestehende Machtstruktur

        Der Begriff verweist auf die Einstellungen und das Verhalten Erwachsener, die davon ausgehen, dass sie allein auf Grund ihres Alters intelligenter und kompetenter sind als Kinder & Jugendliche und sich daher über ihre Bedürfnisse, Meinungen und Ansichten hinwegsetzen können.” 

        Quelle: Christliches Jugenddorfwerk Deutschland (2022): Poster Adultismus. 

        Adultismus macht auch vor Kitas nicht Halt und zeigt sich oft in grenzverletzendem grenzüberschreitendem Verhalten der Fachkräfte, wie wir es bereits im Schritt 2 "Theoretische Grundlagen" beleuchtet haben.

         Wie geht´s?

        Auseinandersetzung mit Adultismus und Macht

        Als Einstieg und/oder zur Vertiefung in das Thema Adultismus und Macht können Sie sich zusammen mit dem Team folgende Podcasts anhören und darüber ins Gespräch kommen: 

        Der Podcast beschäftigt sich mit den Fragen: 

          • Was ist eigentlich Macht und was „macht“ diese mit uns? 
          • Was ist Adultismus? 
          • Und wie steckt Adultismus in der Erziehung „fest“? 
          • Und für alle, die mit Kindern in gleichwürdigen Beziehungen leben möchten – wie kann dies gelingen? 

        Bearbeitung von Fallbeispielen

        Ein guter Einstieg in das Thema Macht und Machtmissbrauch ist die Auseinandersetzung mit fremden Fallbeispielen. Das Team wird in Kleingruppen aufgeteilt und erhält ausgewählte Fallbeispiele. Diese sollen eingeschätzt werden, inwieweit körperliche oder seelische Gewalt ausgeübt werden und ob diese Gewaltanwendung gerechtfertigt ist. Außerdem soll darüber diskutiert werden, welche Gefühle und Absichten hinter dem Handeln der pädagogischen Fachkräfte, und welche Gefühle und Bedürfnisse bei den Kindern vermutet werden.  

        © Gabriele Stegmann

        Eine genaue Methodenbeschreibung sowie Fallbeispiele finden sich im Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz von Fipp e.V, S.129  -137

          Ergänzendes Material

        Weitere Anregungen für geeignete Fallbeispiele finden Sie

         In der Broschüre der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (2021): "Schaut nicht weg – Zum Umgang mit verletzendem Verhalten in der Kita"



         Auf der Website der Reckahner Reflexionen unter der Rubrik "Seelische Gewalt in Kindertageseinrichtungen – Persönliche Erfahrungsberichte und institutionelle Handlungsebenen".

        Methode "4 Fragen zur Macht"

        Mit der Methode „4 Fragen zur Macht“ können Macht und Machtmissbrauch in alltäglichen Schlüsselsituationen gezielt aufgespürt und anschließend durch entsprechende Maßnahmen minimiert werden.  

        Zur Einstimmung auf das Thema kann sich das Team den Kurzfilm zu Nähe und Distanz  

        „...das merk ich am Herz“  vom Katholischen Netzwerk Kinderschutz Berlin aus Perspektive der Kinder anschauen und sich darüber austauschen. 

         Anschließend erhalten alle Teammitglieder die "Schlüsselfragen zur Gefährdungsanalyse" nach Mechthild Wolff auf A4 Blätter ausgedruckt:

        Quelle: Fipp e.V. (2021): Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz, G 22

        In Kleingruppen gehen die Mitarbeiter:innen ihren gesamten Tagesablauf in allen seinen Abschnitten und Teilschritten durch und benennen Situationen, auf die mindestens eine der „4 Fragen zur Macht“ zutrifft. Diese werden auf verschiedenfarbige Kärtchen (je eine Farbe für eine Frage) geschrieben und mit ins Plenum gebracht. Die Ergebnisse werden zusammengetragen und nach den 4 Fragen geclustert. Daran schließt sich eine Diskussion an, welche Maßnahmen zum Schutz der Kinder beitragen könnten und wie diese umgesetzt werden können. 

        Die Fragen fordern auch dazu auf, Unterscheidungen zwischen Willkürverhalten und den in pädagogischer Verantwortung notwendigen Grenzsetzungen zu treffen.

        Quelle: 4 Fragen zur Macht- Reflexion von Gefahrenmomenten für Machtmissbrauch und grenzverletzende Verhaltensweisen in: Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz von Fipp e.V., G 22