• 4. Schritt: Risikoanalyse

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben

      Die Basis eines Schutzkonzeptes ist die sorgfältige und systematische Untersuchung  Ihrer Kita auf mögliche Risikofaktoren für das Auftreten von Gewalt.

      Um die Kinder bestmöglich zu schützen, ist es wichtig, diese Schwachstellen festzustellen.

      •  Worum geht´s ?

        Damit geeignete Maßnahmen zum Kinderschutz entwickelt werden können, die genau zu Ihrer Kita und Ihrem Bedarf passen, ist eine einrichtungsspezifische Risikoanalyse unerlässlich.

        In einer Risikoanalyse werden sämtliche Bereiche & Angebote der Kita in den Blick genommen, mit dem Ziel sich über Gefährdungspotenziale bewusst zu werden und Schutzfaktoren zu ermitteln, um bestehende Risiken weitestgehend zu minimieren bzw. bestenfalls auszuschließen. 

        Diese Analyse ist die Basis und das Herzstück auf dem Weg zum Schutzkonzept. Ein Schutzkonzept ist umso besser, je gründlicher die Risikoanalyse gemacht wurde.  
        Die genaue Analyse einer Einrichtung liefert wichtige Erkenntnisse, ob, wo und durch welche Gegebenheiten in den Strukturen, Arbeitsabläufen und Räumlichkeiten der eigenen Einrichtung Schwachstellen bestehen, die Machtmissbrauch und (sexualisierte) Gewalt begünstigen bzw. ermöglichen.

        Die ermittelten Gefährdungspotenziale und Gelegenheitsstrukturen der jeweiligen Kita stellen die Grundlage für die Entwicklung einrichtungsspezifischer Präventionsmaßnahmen, Handlungsabläufe und ggf. struktureller Veränderungen. 

        Die Risikoanalyse hat jede Einrichtung individuell vorzunehmen, denn es sind die trägereigenen Rahmenbedingungen und Ressourcen in den Blick zu nehmen, nur so ist ein sinnvoller Schutz vor Gefahren zu erreichen.

        Neben der Miniminierung von Risiken dient das Instrument gleichzeitig der Qualitätsentwicklung der Arbeit. Daher ist es sinnvoll, die Risikoanalyse in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. 

        Risikobereiche  

        Folgende mögliche Risikobereiche einer Kita sind dabei näher zu beleuchten: 

        • Team (z.B. Teamklima, Konfliktmanagement im Team)
        • Räumliche Situation der Einrichtung innen und außen (z.B. Sicherheitskonzept im Garten, Schutzmaßnahmen für besonders vulnerable Kinder, etwa unter drei Jahren oder mit Behinderung)  
        • Kinder (z.B. Grenzverletzungen unter Kindern, Umgang mit Konflikten, Diskriminierungstendenzen, Mobbing) 
        • Familien (z.B. Hinweise auf Vernachlässigung von Kindern in der Familie) 
        • Externe Personen (z.B. Praktikant/innen, Fachdienste, hauswirtschaftliches Personal, Ehrenamtliche etc.).  
      •  Wie geht´s?

        Wie kann eine Risikoanalyse erfolgen? 

        Die Risikoanalyse ist differenzierter und umfassender, wenn die unterschiedlichen Blickrichtungen der jeweiligen Akteur:innen und Adressat:innen einer Kita einbezogen werden. Je mehr Menschen sich über vorhandene Risiken in der Kita Gedanken machen, umso mehr Risiken werden identifiziert. Sie eignet sich daher hervorragend zur Beteiligung von Mitarbeiter:innen, Kindern und Eltern. Ziel ist das Zusammenführen der unterschiedlichen Perspektiven, sowie die Anregung eines Dialogs hierüber. 

        Bei der Durchführung der Risikoanalyse helfen verschiedene Methoden und Tools in Form von Checklisten, Fragenkatalogen und Tabellen den Überblick zu bewahren. Es gibt inzwischen zahlreiche Vorlagen zur Durchführung und Dokumentation der Risikoanalyse.  

        Wir stellen Ihnen hier für die unterschiedlichen Zielgruppen 

        • Team
        • Kinder und  
        • Eltern  

        geeignete Möglichkeiten als Anregung für die Durchführung Ihrer eigenen Risikoanalyse vor. 

        Es ist wichtig zu wissen, dass sich nicht jede Gefährdungslage oder Schwachstelle vollständig beseitigen lässt. Es gilt jedoch die Maxime die entstehenden Risiken so weit wie möglich zu reduzieren.

        Beteiligung der Mitarbeiter/innen 

        1. Das Risiko identifizieren 

        Anhand von ausgewählten Leitfragen, die in Kleingruppen bearbeitet und deren Ergebnisse anschließend im Gesamtteam besprochen werden, kann das Team eine einrichtungsindividuelle Risikoanalyse durchführen. 

        Gute Anhaltspunkte für diese Leitfragen finden Sie in folgenden Arbeitshilfen: 

         

        2. Erkenntnisse diskutieren, dokumentieren und entsprechende Maßnahmen festlegen 

        Die so identifizierten Gefährdungsmomente werden anschließend im Hinblick auf geeignete Schutzmaßnahmen beleuchtet und diskutiert. Je nach Größe des Teams, kann das wieder in Kleingruppen oder auch im Gesamtteam stattfinden. Die Ergebnisse daraus werden anschließend z.B. in einer Matrix schriftlich festgehalten. Wir stellen Ihnen hierfür die Vorlage "Institutionelle Risikoanalyse" zur Verfügung. 

         

         Abb.7  Institutionelle Risikoanalyse © IFP

        Beteiligung der Kinder 

        Die Kinder haben ihre eigene Perspektive auf mögliche Gefahren und Risiken. Sie als Expert:innen in eigener Sache bei der Risikoanalyse einzubinden, erweitert den Blickwinkel und  stärkt zugleich die Kinder in ihrer Position, macht sie kritikfähig und verringert das Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern. 

        Die Einbeziehung der Kinder entspricht dem Grundprinzip der Partizipation als gelebte Haltung und sorgt für Akzeptanz und Identifikation mit dem Schutzkonzept. 

          Wie geht´s?

        Methode Fotoreporter / Mit der Kamera unterwegs

        Eine einfache, aber sehr effektive Methode ist „Fotoreporter:innen“. Die Kinder werden dafür in Kleingruppen aufgeteilt und jede Gruppe bekommt eine Kamera, mit dem Auftrag, Bilder von ihren Lieblingsorten und den Plätzen, die sie nicht mögen oder unheimlich finden, zu machen. Anschließend können die Bilder als Diashow oder Plakat angeschaut werden und die Kinder begründen ihre Wahl der Bilder. Gemeinsam kann überlegt werden, wie unsichere Orte sicherer oder schöner werden und welche Wünsche und Vorschläge sie für die Raumgestaltung der Kita haben.

        Quelle: Erzbischöfliches Ordinariat Berlin, Prävention von sexualisierter Gewalt (2022): Arbeitshilfe Institutionelles Schutzkonzept zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, 5. Auflage 2022.

        Methode "Punktaktion"

        Ähnlich funktioniert die Methode „Punktaktion“: Kinder bekommen dafür grüne und rote Klebepunkte Diese können Sie an Orte kleben wo sie sich wohlfühlen (grün) und nicht wohlfühlen (rot) 

        Quelle: Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz von Fipp e.V., G 63-64

        Methode: "Was darf mein/e Erzieher/in ?"

        Mit der Methode: „Was darf meine Erzieherin?“ kann die Perspektive der Kinder erfasst und mit der Perspektive der Fachkräfte abgeglichen werden. Dafür gestalten die Fachkräfte mit den Kindern ein Plakat, auf dem eine Fachkraft abgebildet ist. Die Kinder werden gefragt, was eine Fachkraft darf und was sie nicht darf, was sie tun und was sie lassen soll. Die Antworten der Kinder werden auf grüne (das darf sie) und rote (das darf sie nicht) Karten geschrieben und in das Plakat eingefügt. 

        Quelle: Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz von Fipp e.V. (2021), G 69/70

        Perspektive der Kinder zu Nähe und Distanz

        Die Perspektive der Kinder zum Thema Nähe und Distanz kann auch sehr gut mit dem Kurzfilm zu Nähe & Distanz "...das merk ich am Herz"

        vom Katholischen Netzwerk Kinderschutz im Erzbistum Berlin thematisiert werden.

        Dazu wir der Film den Kindern vorgeführt und anschließend folgende Fragestellungen mit Blick auf die Mitarbeiter:innen in der Einrichtung aufgegriffen 

          • Was hast du auch schon mal so oder so ähnlich erlebt? 
          • Was magst du gerne bzw. was magst du gar nicht am Verhalten von Mitarbeiter:innen 
          • Worauf sollen die Erwachsenen im Umgang mit Kindern besser achten?

        Einsatz von Wimmelbildern

        Auch anhand von Wimmelbildern kann mit den Kindern gut über ihre Rechte und einen grenzwahrenden Umgang zwischen Kindern und Erwachsenen, wie auch Kindern untereinander gesprochen werden. Daraus lassen sich ebenfalls präventive Maßnahmen für einen respektvollen grenzachtenden Umgang  ableiten.

        Passende Wimmelbilder gibt es u.a. bei Zartbitter e.V.

        Beteiligung der Eltern 

        Eltern sehen nochmal aus einer anderen Perspektive auf die Kita, so dass es sehr gewinnbringend ist, diese Einschätzungen ebenfalls in die Risikoanalyse einzubeziehen. 

         Wie geht´s?

        Nadelmethode

        Mit der “Nadelmethode” kann die Sicht der Eltern auf Räume, den Außenbereich und auf Spielsituationen in der Einrichtung eingeholt werden. Dafür wird ein Plan der Einrichtung (ggf. mit Außengelände und /oder dem umliegenden Sozialraum) benötigt, auf dem die Eltern mit roten Nadeln (für unsicherer oder gefährliche Orte) und grünen Nadeln (für sichere Wohlfühlorte) analog der vorbereiteten Fragestellungen „nadeln“.

        Die "Nadelmethode" ist ausführlich beschrieben im "Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz" von Fipp e.V. (2021), G 71/72

        Ballonanalyse

        Mit der Ballonanalyse  können die Eltern ebenfalls für das Thema Kinderschutz sensibilisiert werden und Orte innerhalb der Einrichtung identifizieren, die aus ihrer Sicht gefährlich sein könnten oder an denen sie kein „gutes Gefühl“ haben. Dazu fliegen sie gedanklich mit einem Ballon über die Einrichtung (=Plan) und benennen Orte, die aus ihrer Sicht herausfordernd sind. Diese werden rot umrandet und auf roten Karten das „Warum“ aufgeschrieben. Im zweiten Schritt überfliegen sie die Einrichtung mit der Vorstellung, wo sich ihre Kinder aus ihrer Sicht gerne aufhalten und wohlfühlen. Diese Ballons werden grün umrandet und das "Warum" auf grüne Karten geschrieben. In der Auswertung werden alle Karten noch einmal angeschaut und mit den Eltern über Lösungen beratschlagt.

        Quelle: Die Methode Ballonanalyse ist ausführlich im Praxishandbuch Institutioneller Kinderschutz von Fipp e.V. (2021) G 73/74 beschrieben.