• Sexualpädagogisches Konzept

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben

      Körperliche/ sexuelle Bildung und Erziehung ist ein wichtiger Bildungsbaustein. Daher sollten grundsätzlich alle Kindertageseinrichtungen ein sexualpädagogisches Konzept als Bestandteil der Einrichtungskonzeption haben, das bei Mitarbeiter:innen und Eltern bekannt ist.

      Darüber hinaus ist die körperliche/sexuelle Bildung jedoch auch für einen gelingenden präventiven Kinderschutz wesentlich und daher ebenso ein Baustein des Schutzkonzepts.

      •  Worum geht´s?

        "Kindliche Sexualität gehört von Beginn an zur Entwicklung jedes Kindes und ist daher im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung ein wichtiger Bestandteil des Bildungsauftrags von Kindertageseinrichtungen.  

        Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan (2016) und die AVBayKiBiG (§ 13) benennen für den Bildungsbereich Sexualität folgende Ziele:  

        • eine positive Geschlechtsidentität entwickeln, um sich wohlzufühlen 
        • einen unbefangenen Umgang mit dem eigenen Körper erwerben 
        • Grundwissen über Sexualität erwerben und darüber sprechen können 
        • Bewusstsein über eine persönliche Intimsphäre entwickeln 
        • angenehme und unangenehme Gefühle unterscheiden und NEIN-Sagen lernen 

        Das Kapitel „Gesundheit“ legt unter anderem eine sensible und altersentsprechende sexuelle Bildung und Erziehung, den Umgang mit Körperlichkeit und Gefühlen sowie die Prävention von sexuellem Missbrauch dar."

        Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (2021): Leitfaden zur Sicherung des Schutzauftrags in Kindertageseinrichtungen. S.20

        In den Kita-Konzeptionen, in der Kommunikation in den Teams und in der pädagogischen Praxis wird dieser wichtige Bildungsbereich häufig bisher zu wenig berücksichtigt. Hierbei spielen häufig Verunsicherung und/oder mangelndes Wissen der Mitarbeiter:innen eine Rolle.

        Die oft sehr unterschiedlichen Meinungen und Positionen von Eltern zum Thema Sexualerziehung, abhängig von den jeweiligen kulturellen, religiösen und familiären Vorstellungen, schaffen zusätzliche Unsicherheiten und erschweren die Verständigung. 

        Die Auseinandersetzung über den Umgang mit kindlicher Sexualität und die Erarbeitung einer gemeinsamen fachlichen Haltung im Team, sowie eines sexualpädagogischen Konzeptes sind jedoch auch wichtige Bestandteile eines Kita-Schutzkonzepts.

        Neben der inhaltlichen Arbeit zum Thema körperliche/ sexuelle Bildung sollte der Umgang mit sexuell übergriffigen Kindern in der Einrichtung und die Grenzen zwischen erlaubten und unerlaubten sexuellen Verhaltensweisen klar definiert sein.

        Präventiver Kinderschutz bedarf einer wertschätzenden und grenzwahrenden Sexualpädagogik.

          Wie geht´s?

        Wir stellen Ihnen im Folgenden die Inhalte eines sexualpädagogischen Konzepts und Reflexionsfragen für die Erarbeitung vor.

        Diese sind der sehr empfehlenswerten Broschüre des Paritätischen LV Hessen "Muss man sich küssen, wenn man verliebt ist?" - Fünf Schritte zum sexualpädagogischen Konzept für Kindertageseinrichtungen" (siehe Material) entnommen: 

        Inhalte eines sexualpädagogischen Konzeptes

        Beschreibung von kindlicher Sexualität

        • Was sind die typischen Merkmale kindlicher Sexualität? 

        Verständnis von Sexualerziehung  

        • Was ist für uns Sexualerziehung?
        • Welche Themen gehören dazu? 
        • Welche Haltung entwickeln wir? 

        Pädagogische Ziele im Hinblick auf sexuelle Bildung  

        • Welche Bereiche werden in der Sexualerziehung berücksichtigt und gefördert?
        • Welche grundlegenden Ziele sollen erreicht werden? 

        Umgang mit sexuellen Aktivitäten der Kinder in der Kita  

        • Welche rechtlichen Grenzen habe ich als Fachkraft?  
        • Wie gehen wir konkret mit sexuellen Aktivitäten der Kinder um?  
        • Welche Regeln, z. B. für „Doktorspiele“, gelten bei uns?
        • Wie gehen wir im Team mit Nähe um?  
        • Welche Regeln haben wir zu körperlichen Kontakten zwischen Fachkraft, PraktikantInnen und Kind?  
        • Wie gewährleisten wir, dass die individuellen Grenzen eingehalten werden, z. B. das Kind weigert sich, gewickelt zu werden

        Vorgehen bei sexuellen Übergriffen unter Kindern 

        • Was sind sexuelle Übergriffe?  
        • Wann und wie greifen wir ein?  
        • Wie gehen wir mit den Beteiligten um? 

        Kooperation mit Eltern  

        • Wie ist die Haltung zur Einbeziehung der Eltern?  
        • Wie sieht die Kooperation mit den Eltern aus?  
        • Wie sind die Elternversammlung und der Elternbeirat eingebunden? 

         

           Ergänzendes Material

        Der Paritätischer Wohlfahrtsverband Hessen (2017): "Muss man sich küssen, wenn man verliebt ist?" - Fünf Schritte zum sexualpädagogischen Konzept für Kindertageseinrichtungen.

         

        trau-dich.de, das Kinderportal der bundesweiten Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs, das auch eine Website für Eltern und Fachkräfte anbietet.  Die Initiative basiert auf dem Ansatz der UN-Kinderrechtskonvention und einem umfassenden Konzept der Sexualaufklärung.

        Mein Körper, meine Emotionen - sexuelle Aufklärung mit altersgerechten und faktenbasierten Materialien leicht gemacht! von EduSkills+. Alle Materialien sind kostenlos und die inhaltlichen Themen zu den Bereichen Körper, Liebe, Sexualität und Identität sind für Kinder der Altersgruppen 4-6, 7-9 und 10-12 altersgerecht aufgearbeitet worden.

        Handbuch für Eltern und pädagogische Fachkräfte um zu Hause oder im pädagogischen Alltag eine qualitativ hochwertige sexuelle Aufklärung umzusetzen.

        App für Kinder: In der App werden einige der im Handbuch behandelten Bereiche thematisiert und kindgerecht dargestellt.