• Was ist ein Schutzkonzept?

    Abschnittsübersicht

    • Hervorgehoben

      Kindertageseinrichtungen (Kitas) haben gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern eine besondere Verantwortung. Der Kinderschutz gehört insbesondere durch die Verankerung im Kinder- und Jugendhilfegesetz zum pädagogischen Auftrag. Daher sind alle Kitas aufgefordert, ihre Bemühungen zum systematischen Schutz, der ihnen anvertrauten Kinder vor Gewalt, in einem Schutzkonzept zur Prävention und Intervention zu bündeln. Doch was genau ist ein Schutzkonzept?

      In diesem Kapitel erläutern wir,

      • was unter einem Schutzkonzept zu verstehen ist und
      • welchen Nutzen ein solches Konzept bietet. 
      •  Worum geht´s ?

        Die Kita versteht sich als "Kompetenzort", der Kinder umfassend in ihrer Entwicklung stärkt und Ihnen die dafür erforderlichen Freiräume bietet, in denen sie sich ausprobieren können.

        Hier erleben sich die Kinder als Teil einer Gemeinschaft und erfahren Unterstützung von den Fachkräften, wenn ihre Gefühle und Grenzen verletzt werden. Die Kinder werden an Entscheidungen beteiligt und ermuntert ihre Wünsche einzubringen.

        So sollten bereits in den Grundsätzen der pädagogischen Arbeit in der Einrichtungskonzeption der Kita, wichtige Bausteine des präventiven Kinderschutzes enthalten sein.

        Die pädagogischen Fachkräfte sind wichtige Bezugspersonen für die Kinder und Ihre Familien und stehen daher in besonderer Verantwortung zu handeln, falls sie Anzeichen erkennen, dass Kinder an anderen Orten Gewalt erleben. Die Kinder und Eltern sollen wissen, dass sie hier Hilfe und Unterstützung bekommen und sich den Fachkräften anvertrauen können.

        Gleichzeitig muss die Kita selbst ein sicherer Ort für Kinder sein, der größtmöglichen Schutz vor jeder Form von Gewalt innerhalb der Einrichtung bietet. Da körperliche Nähe im pädagogischen Alltag einer Kita (Trösten, Wickeln, etc.) eine bedeutsame Rolle spielt, ist es wichtig, dass das Team u.a. einen professionellen Umgang mit Nähe und Distanz vereinbart, um keinen Raum für Missbrauch zu lassen!

        Überall dort, wo Erwachsene mit Kindern arbeiten, kann es zu Fehlverhalten, Grenzverletzungen, Übergriffen und Gewalt kommen, sei es aus Überforderung, Willkür oder Strategie.

        Ein solch umfassender Schutz erfordert ein gutes Zusammenspiel verschiedener präventiver Maßnahmen der Kita.

        → Ein Schutzkonzept beschreibt alle Maßnahmen, die eine Kita für den besseren Schutz der Kinder festlegt.

        Dazu ist zunächst die Auseinandersetzung mit möglichen Schwachstellen im Alltag als zentraler Bestandteil des Schutzkonzepts erforderlich, an der alle Akteur:innen (Kinder, Eltern, Mitarbeiter/innen) zu beteiligen sind.

        Es werden mögliche Risiken für Grenzverletzungen und Gewalt ermittelt.

        Daraus werden vorbeugende Schutzmaßnahmen entwickelt, um die möglichen Risiken zu minimieren.  Diese Maßnahmen werden schriftlich dokumentiert. Es wird ein Beschwerdesystem für Kinder, Eltern und Fachkräfte festgelegt. Für Verdachts- oder Vermutungsfälle sind Interventionsschritte vereinbart, die im Notfall ein schnelles Reagieren ermöglichen. 

        Eigentlich wäre die Bezeichnung "Schutzprozesse" treffender, denn es ist ein fortlaufender Prozess der Analyse von möglichen Gefahren und Risiken, Festlegung von Formen und Verfahren der Prävention, Intervention und Aufarbeitung (Röhrig 2015):

        Abb. 1 Schutzkonzepte als Prozess vor Ort

        Abb. 1: Schutzkonzepte als Prozesse vor Ort (Röhrig 2015)

        Die Auseinandersetzung mit dem Kinderschutz zur Erarbeitung und Einführung eines Kinderschutzkonzeptes ist als Organisationsentwicklungsprozess zu sehen, für dessen Gelingen sehr entscheidend ist, dass nach Möglichkeit alle Akteur:innen der Kita partizipativ einbezogen sind. Nur so wird sichergestellt, dass das Konzept von allen umgesetzt und "gelebt" wird.

        Da jede Kita ihre je eigenen Abläufe, Stärken, aber auch Gefahrenpotentiale hat, muss jede Einrichtung ihr indivduelles, passgenaues Schutzkonzept erstellen.

        Nutzen eines Schutzkonzepts

        Schutzkonzepte dienen dazu, allen Formen von Gewalt in der Kita vorzubeugen und den Mitarbeiter/innen Handlungssicherheit bei Verdacht auf Gewalt im sozialen Umfeld der Kinder zu geben.

        Ein Kinderschutzkonzept hilft...

        • die Rechte der Kinder im Blick zu behalten - insbesondere das Recht auf Schutz, Entwicklung und Beteiligung
        • bei der Auseinandersetzung mit Macht und deren Missbrauch, sowie eine klare Position gegen jegliche Formen von Gewalt in der Kita zu entwickeln
        • zu erkennen, ob Kinder Risiken ausgesetzt sind und schnelle Reaktionen zu aktivieren
        • in Krisen handlungsfähig zu sein
        • den Mitarbeiter/innen bei Verdacht auf Grenzverletzungen und Gewalt, Handlungssicherheit zu geben

        Mit einem Kinderschutzkonzept zeigen Sie, dass Sie den Kinderschutz ernst nehmen, was Sie präventiv tun und wie Sie in Krisen handlungsfähig sind.

        Die Auseinandersetzung mit dem Schutzauftrag dient darüber hinaus der Qualitätsentwicklung Ihrer pädagogischen Arbeit!