Auszüge aus den curricularen Grundlagen Bayerns
| Website: | KITA HUB - Kursangebote |
| Kurs: | Demokratiebildung mit Kindern bis 10 Jahre in der Kindertagesbetreuung |
| Buch: | Auszüge aus den curricularen Grundlagen Bayerns |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Dienstag, 3. November 2026, 21:44 |
Beschreibung
In diesem virtuellen Buch finden Sie Auszüge aus den 🔗Bayerischen Bildungsleitlinien, dem 🔗Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan sowie dessen Handreichung, die das Thema Demokratiebildung in Kitas beleuchten.
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1. Auszüge aus den Bayerischen Bildungsleitlinien
"Oberstes Bildungs- und Erziehungsziel ist der eigenverantwortliche, beziehungs- und gemeinschaftsfähige, wertorientierte, weltoffene und schöpferische Mensch. Er ist fähig und bereit, in Familie, Staat und Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen, und offen für religiöse und weltanschauliche Fragen." S. 7
"Alle Bildungsorte stehen in der Verantwortung, der Partizipation der Kinder einen festen Platz einzuräumen und Demokratie mit Kindern zu leben. " S. 8
"Zentrale Aufgaben der Pädagoginnen und Pädagogen sind die Planung und Gestaltung optimaler Bedingungen für Bildungsprozesse, die eigenaktives, individuelles und kooperatives Lernen nachhaltig ermöglichen." S. 9
„In einer Demokratie ist das Recht auf Beteiligung keine Frage des Alters . Jedes Kind hat ein Recht darauf, seine Interessen zu äußern und in altersangemessener Weise mit diesen auch berücksichtigt zu werden. Partizipation ist eine Frage der pädagogischen Haltung und Gestaltung. Je jünger bzw. je weniger selbstständig Kinder sind,
→ desto weniger können sie selbst Beteiligungsrechte einfordern
→ desto größer ist die Verantwortung der Erwachsenen, Kindern Partizipation zu ermöglichen
→ desto höher sind die Ansprüche daran, wie Partizipation methodisch umzusetzen ist
→ desto wichtiger ist es, über die pädagogische Grundhaltung nachzudenken, die das eigene Handeln bestimmt.
Alle Bildungsorte und -einrichtungen stehen daher heute in der Verantwortung, der Partizipation der Kinder einen festen Platz einzuräumen“ S. 31
"Partizipation erhöht die Identifikation mit der Einrichtung, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und erleichtert soziale Inklusionsprozesse, denn Mitentscheidung ist untrennbar verbunden mit sozialer Mitverantwortung" S. 35
2. Auszüge aus dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan
„Unterschiede zwischen den Kindern, z.B. in Geschlecht, Herkunft, Kultur, Religion, Entwicklungstempo, sind anzuerkennen. Sie bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Unterschiede können eine bereichernde Lernsituation bieten und zu mehr gemeinsamem Lerngewinn führen. Sie sind in organisatorischer und pädagogischer Hinsicht zu berücksichtigen.
Soziale Inklusion. Bildungseinrichtungen stehen in der Verantwortung, sozialer Ausgrenzung angemessen zu begegnen und allen Kindern faire, gleiche und gemeinsame Lern- und Entwicklungschancen zu bieten. Das Konzept der inklusiven Bildung hat sich international durchgesetzt. Es sieht vor, dass alle Kinder, d.h. deutsche Kinder, Kinder mit erhöhten Entwicklungsrisiken und Kinder mit besonderen Begabungen, nach Möglichkeit dieselbe Bildungseinrichtung besuchen und gemeinsames Leben und Lernen erfahren.“ S. 21
"Das Demokratieprinzip prägt das gesamte Bildungsgeschehen und trägt die Idee von „gelebter Alltagsdemokratie“ in sich. Es basiert auf einer Kultur der Begegnung, die demokratischen Grundsätzen folgt, und damit auf Partnerschaft und Kooperation. Wenn das Bildungsgeschehen eine soziale und kooperative Ausrichtung erfährt, vereint sich diese Kultur der Begegnung mit einer Kultur des Lernens, die auf das Wohlbefinden und die Engagiertheit aller Akteure setzt. Partnerschaft gründet auf Gegenseitigkeit, Gleichberechtigung und Wertschätzung. Sie bedeutet, sich respektvoll zu begegnen und als Partner zusammenzuwirken, denn jede und jeder hat besondere Stärken und kann etwas einbringen. Partnerschaft erfordert angemessene Beteiligung an Entscheidungsprozessen in gemeinsamen Angelegenheiten, mit dem Ziel ko-konstruktiver Aushandlung und Mitbestimmung. Beschwerde- und Streitkultur sowie eine Kultur der Konfliktlösung sind weitere Aspekte von Demokratie." S. 23
„Um Bildungsprozesse der Kinder konstruktiv zu begleiten, stehen Erwachsene in der Verantwortung, nicht nur anregende Lernumgebungen zu schaffen und die Interaktionen mit den Kindern im Dialog u gestalten, sondern auch ihre eigenen Haltungen und Wertvorstellungen zu klären und die Glaubwürdigkeit (Authentizität) ihres Verhaltens laufend zu überprüfen (Selbstreflexion). Trotz Vorsprung und Erziehungsverantwortung nehmen Erwachsene nicht mehr die alleinige Expertenrolle ein. Kommunikations- und Lernprozesse werden gemeinsam getragen.“ S. 23
"Die Tageseinrichtung steht in der besonderen Verantwortung, Kinder auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Das bedeutet, dass Kinder z. B. Entscheidungsfindung und Konfliktlösung auf demokratischem Weg lernen – im Gespräch, durch Konsensfindung und durch Abstimmungen, nicht aber durch Gewalt und Machtausübung. Kinder entwickeln diese Fähigkeiten, wenn ihnen regelmäßig Mitsprache und Mitgestaltung beim Bildungs- und Einrichtungsgeschehen zugestanden und ermöglicht werden.“ S. 57
"Kinderbeteiligung in Tageseinrichtungen führt Kinder ein in die Regeln der Demokratie und ist eine wichtige Gelegenheit für frühe politische Bildung. Demokratisches Verhalten hat in unserer Gesellschaft hohen Stellenwert, Demokratie lebt vom Engagement ihrer Bürger. Wenn Kinder in viele Prozesse aktiv einbezogen werden, dann erweitern sie ihre demokratische Kompetenz. Die geschützte Öffentlichkeit der Tageseinrichtung ist dafür ein ideales Erfahrungs- und Übungsfeld. Wenn in Beteiligungsprojekten Themen aufgegriffen werden, die ins Gemeinwesen führen, dann werden Tageseinrichtungen auch öffentlich mehr wahrgenommen. Es entstehen wertvolle Kontakte zu anderen Institutionen, zur Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik, aber auch zu Medien, die über solche Projekte berichten. Für Kinder wird Politik dadurch konkret erfahrbar." S. 397f.
"Fähigkeit und Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe
- Grundverständnis darüber erwerben, dass man anstehende Aufgaben und Entscheidungen gemeinsam lösen bzw. treffen kann […]
- Bei unterschiedlichen Interessen und Meinungen aufeinander zugehen, Kompromisse eingehen und gemeinsam Lösungen aushandeln, die auf Interessenausgleich abzielen […]
- Bedeutung von Regeln für das Zusammenleben und deren Veränderbarkeit erfahren
- Erste Erfahrungen in der Begegnung mit Verwaltung und Politik." S. 398
3. Auszüge aus der Handreichung zum Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan
"Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan basiert auf dem Demokratieprinzip und damit auf Partnerschaft und Partizipation aller Beteiligten: Kinder, Eltern, Fachkräfte, Träger und Kooperationspartner der Einrichtung." S. 34
„Jedes Kind hat nach der UN-Kinderrechtskonvention das Recht, an allen es betreffenden Entscheidungen entsprechend seinem Entwicklungsstand beteiligt zu werden. Dieser Freiwilligkeit des Kindes steht die Verpflichtung der Erwachsenen gegenüber, jedem Kind Beteiligung zu ermöglichen und sein Interesse für Beteiligung zu erhalten und zu wecken, denn Kinder sind von Geburt an auf Selbstbestimmung hin angelegt. Partizipation stellt das Handeln mit Kindern statt für sie heraus und ist von Geburt an möglich. Den Kindern ein selbstbestimmtes Handeln im Lebensalltag zu ermöglichen gehört ebenso dazu, wie sie an der Gestaltung der Lernumgebung (zum Beispiel Raumgestaltung, Materialanschaffung), des Zusammenlebens (zum Beispiel Regeln aufstellen) und der Bildungsprozesse (zum Beispiel Bildungsthemen, Lerninhalte, Planung und Durchführung von Projekten) in der Einrichtung oder Tagespflege zu beteiligen.“ S. 35
„Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan streicht daher die Verantwortung der Kindertageseinrichtung, aber auch der Tagespflege, heraus, der Partizipation der Kinder einen hohen Stellenwert und festen Platz einzuräumen und in der Einrichtungskonzeption zu verankern. Eine auf Partizipation gründende Bildungspraxis umfasst insbesondere folgende Elemente:
- Partizipation im Alltag (zum Beispiel sich in der Einrichtung frei und selbstbestimmt bewegen, Reflexion von Lerngeschichten mit Kindern, Morgenkreis);
- Partizipation an der Planung und Durchführung von Projekten (zum Beispiel Auseinandersetzung mit bestimmten Themen; Umgestaltung der Lernumgebung);
- Kindern Verantwortungsbereiche für Andere übertragen (zum Beispiel Haus- und Gruppendienste; Patenschaften für neue Kinder);
- gemeinsam mit Kindern Regeln und Grenzen setzen;
- die Kindertageseinrichtung als demokratisch verfasste Gemeinschaft gestalten“ S. 122
„Ein autoritativer Interaktionsstil
Der Erwachsene zeigt eine klare Struktur von Erwartungen, eingebettet in emotionale Wärme, Verantwortung für das Kind und Partizipation des Kindes selbst. Dies bedeutet, das Kind an Entscheidungen zu beteiligen, ihm Selbst- und Mitbestimmung sowie Unabhängigkeit zuzugestehen und seinen Standpunkt zu achten. Andererseits ist es jedoch unerlässlich, klare Regeln und Grenzen zu geben, die jedoch auch immer wieder an die Situation angepasst und gemeinsam mit dem Kind ausgehandelt werden.“ S. 136


